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Astronomie+Physik

Mondstaub, hausgemacht

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Die bizarren Formen, die die einzelnen Mondstaubkörner unter dem Mikroskop zeigen, sind ein Ergebnis ihrer turbulenten Entstehungsgeschichte. Aufnahme: David McKay, NASA/JSC
Forscher der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa haben damit begonnen, künstlichen Mondstaub in großen Mengen herzustellen. Mit dem Material wollen die Wissenschaftler Geräte und Maschinen testen, die sich in Zukunft auf dem Mond bewegen oder in dessen Oberfläche bohren sollen. Außerdem suchen die Nasa-Forscher Verfahren, wie aus Mondgestein Sauerstoff und andere chemische Elemente gewonnen werden können. Damit könnten sich die Bewohner einer Mondstation selbst mit lebensnotwendigen Ressourcen versorgen. Die Neuproduktion sei nötig geworden, weil die erste, in den 1990er-Jahren hergestellte Ladung simulierten Mondstaubs kürzlich zur Neige gegangen ist, teilt die Nasa mit.

Mondstaub ist ein besonderer Stoff: Das Material ist nicht durch eine Atmosphäre geschützt, daher unterliegt es einer ganz eigenen Form von Verwitterung. Ein Regen von kleinen Meteoriten prasselt ständig auf die Mondoberfläche. Mit Geschwindigkeiten von 100.000 Kilometern pro Stunde schmelzen diese Mikrometeoriten beim Aufschlag das Gestein auf und verdampfen Anteile davon. Anschließend erstarrt die Schmelze wieder. Der Dampf schlägt sich auf das Material in der Nachbarschaft nieder. Auch der Teilchenstrom des Sonnenwinds verändert den chemischen Aufbau des Mondstaubs.

Das durch die Apollomissionen in den sechziger und siebziger Jahren auf die Erde gebrachte Original-Mondgestein beläuft sich auf mehrere hundert Kilogramm. Sie werden von der Nasa wie Kronjuwelen gehütet und an Forscher nur in geringsten Mengen herausgegeben. Schon in den neunziger Jahren produzierte die Nasa daher 25 Tonnen simulierten Staub, der jedoch vor kurzem ausgegangen ist. Dieser Staub bestand noch hauptsächlich aus basalthaltigem vulkanischem Gestein. Da damit die komplizierte chemische und mineralogische Struktur des Mondstaubs jedoch nicht nachgeahmt werden konnten, versuchen die Forscher der Nasa nun, diese durch Mischen verschiedener Minerale aus mehreren Regionen der Erde zu imitieren.

Insgesamt sollen so 16 Tonnen Mondstaub produziert werden, die dann in Packmaßen eines Zementsacks an kooperierende Forscher verteilt werden. Mit diesem Staub und Gestein der Korngrößen fein, mittel und grob können Forscher dann ihre Mondfahrzeuge testen, Löcher bohren und Instrumente ausprobieren.

Mitteilung der Nasa ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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