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Astronomie+Physik

Neue Theorie: "Universum ist trichterförmig"

Ein neues Modell des Kosmos ist noch absonderlicher als alle bisherigen Vorstellungen der Astrophysiker: Das Universum sieht aus wie ein mittelalterliches Horn, glauben Forscher um Frank Steiner von der Universität Ulm. Mit dieser Gestalt können die Astrophysiker rätselhafte Schwankungen der kosmischen Mikrowellen-Hintergrundstrahlung erklären, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Das Muster aus warmen und kalten Bereichen in der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung bildet das Universum 380.000 Jahre nach dem Urknall ab. Im vergangenen Jahr hat der Nasa-Satellit Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) diese Hintergrundstrahlung detailliert dargestellt. Die gemessene Verteilung der Mikrowellen-Strahlung gibt den Kosmologen allerdings Rätsel auf: So sind die kleinsten Strukturen nicht rund, wie es bei einem flachen Universum zu erwarten wäre, sondern elliptisch. Außerdem fehlen größere Strukturen, die über mehr als 60 Grad des Himmels reichen.

Steiner und seine Kollegen erklären diese Beobachtungen dadurch, dass das Universum an einer Seite in einen engen, unendlich langen Trichter mündet, während es sich auf der anderen Seite zu einer riesigen Glocke bläht. Insgesamt sei das Universum dadurch endlich und habe einen Rauminhalt von 10 hoch 32 Kubiklichtjahren, berechneten die Ulmer Forscher. 380.000 Jahre nach dem Urknall war es jedoch noch viel kleiner ? zu klein für großräumige Temperaturfluktuationen. Die elliptische Form der kleinsten Mikrowellen-Flecken könnte daher rühren, dass die Raumzeit an jedem Ort sattelförmig gebogen ist, ähnlich wie ein Pringles-Chip.

In einem Trichter-Universum ? Mathematiker sprechen von der „Picard-Topologie“ ? gäbe es allerlei merkwürdige Phänomene: Am schmalen Ende gibt es Orte, an denen man sich selbst auf den Hinterkopf schauen kann. Flöge man dagegen lange genug in die andere Richtung, befände man sich nach einer gewissen Zeit automatisch wieder auf dem Rückweg. Wie das Universum aussieht, hängt davon ab, wo ein Beobachter sich genau befindet. Die Milchstraße liegt wahrscheinlich so weit weg von dem trichterförmigen Ende, dass man diese seltsame Gegend nicht mit Teleskopen untersuchen kann.

Ute Kehse
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