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Neuer Rekord für die Terrorvögel

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Im Vergleich mit dem Schädel eines Kondors (rechts) wirkt der Terrorvogelschädel riesenhaft. Foto: Sara Bertelli/Stephanie Abramowicz
Ein 14 Millionen Jahre alter Vogelschädel aus Argentinien bricht alle Größenrekorde: Er ist knapp 72 Zentimeter lang und damit etwa so groß wie Kopf eines Pferdes. Das macht ihn zum größten bisher bekannten Vogelschädel überhaupt, berichtet ein amerikanisches Forscherduo. Gehört hat er einem so genannten Terrorvogel ? einem riesigen, flugunfähigen Fleischfresser, dessen Verwandten bis vor etwa zwei Millionen Jahren in Südamerika lebten. Besonders auffällig bei dem neuen Fund ist der langgezogene, gebogene Schnabel, der mehr als die Hälfte des gesamten Schädels ausmacht.

Die Terrorvögel ? wissenschaftlich als Phorusrhacidae bezeichnet ? gehörten zu den Kranichvögeln und kamen in unterschiedlichen Größen vor. Die kleinsten Arten ähnelten mit einer Größe von 90 Zentimetern den heute noch in Südamerika heimischen Seriamas, während der bislang als größter Vertreter geltende Brontornis burmeisteri eine Höhe von fast drei Metern erreichte. Das Tier, dessen fast vollständig erhaltener Schädel nun in der Nähe der argentinischen Stadt Comallo entdeckt wurde, war wahrscheinlich noch größer: Die beiden Forscher Luis Chiappe und Sara Bertelli schätzen, dass es die Größe von B. burmeisteri um etwa zehn Prozent übertraf.

Der Schädel unterscheidet sich deutlich von den Knochen kleinerer Terrorvögel, berichten die Forscher. So ist etwa der Schnabel im Verhältnis sehr viel länger und auch flacher als bei den kleinen Gattungen, und die Augenhöhlen sind nicht rund, sondern eher rechteckig. Rekonstruktionen des Aussehens der riesigen Vögel, für die lediglich die Schädelform kleinerer Terrorvögel vergrößert wurde, seien daher trotz ihrer weiten Verbreitung falsch, so die Forscher.

Das gleiche gilt ihrer Ansicht nach auch für die Annahme, die großen Terrorvogelarten seien plump und schwerfällig gewesen: Die schmale Form des neuentdeckten Schädels und ein unerwartet schlanker Mittelfußknochen, der in dessen Nähe gefunden wurde, deuteten vielmehr daraufhin, dass die Riesenvögel sehr viel agiler und wendiger waren als bislang vermutet. Die traditionelle Sichtweise, mit einem größeren Körperbau müsse automatisch eine verminderte Wendigkeit einhergehen, müsse daher noch einmal überdacht werden, schreiben die Wissenschaftler.

Luis Chiappe, Sara Bertelli (Naturhistorisches Museum, Los Angeles): Nature, Bd. 443, S. 929 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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