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Astronomie+Physik

Neuschwanstein-Meteorit stammte von kosmischem Schutthaufen

Der Meteorit, der am 6. April 2002 in der Nähe von Schloss Neuschwanstein auf die Erde stürzte, hatte die gleiche Bahn wie ein 1959 in der Tschechoslowakei aufgeschlagener Meteorit. Das berichtet Pavel Spurny von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften zusammen mit zwei deutschen Kollegen im Wissenschaftsjournal Nature (Bd. 423, S. 123 u. 151).

Die Ankunft des Neuschwanstein-Meteoriten wurde von den Kameras des European Fireball Network beobachtet. Bei seinem Eintritt in die Atmosphäre zog der Himmelskörper eine 91 Kilometer lange Feuerspur über den Himmel, die heller als der Vollmond war. Anhand der Aufnahmen konnten Forscher ungefähr die Gegend ermitteln, in der Bruchstücke des Meteoriten aufgeschlagen waren.

Doch erst drei Monate später wurde ein 1,75 Kilogramm schwerer Stein etwa sechs Kilometer vom berühmten Schloss Neuschwanstein entfernt gefunden. In den 43 Jahren, seit es das Netzwerk zum Erspähen von Sternschnuppen gibt, ist es erst das vierte Mal, dass ein Meteorit gefunden wurde, der mit einem Feuerball am Himmel assoziiert werden konnte.

Spurny und Kollegen berechneten nun die Flugbahn des Neuschwanstein-Meteoriten und stellten fest, dass sie praktisch genau mit der des Pribram-Meteoriten übereinstimmte, der 1959 ebenfalls anhand seiner Feuerspur gefunden wurde. Mehr Ähnlichkeiten weisen die beiden Steine allerdings nicht auf: Beim Objekt von Neuschwanstein handelt es sich um einen so genannten Enstatit-Chondriten, bei dem Stein aus Pribram um einen gewöhnlichen Chondriten. Da sich die chemische Zusammensetzung der beiden Steine deutlich unterscheidet, folgern die Forscher um Spurny, dass sie ursprünglich nicht von dem selben Mutterkörper stammen können.

Trotzdem vermuten sie, dass auf der Bahn der beiden Meteoriten noch zahllose weitere kosmische Trümmer kreisen. Um die merkwürdige Übereinstimmung zu erklären, postulieren sie, dass dieser Schwarm von einem heterogenen Objekt stammt, das nur lose aus Staub, Eis und größeren Gesteinsbruchstücken zusammengesetzt ist. Die Forscher schreiben, dass sich bei der Annäherung an Planeten aus einem solchen „kosmischen Schutthaufen“ durch die Gezeitenkräfte einzelne Teile lösen könnten, die fortan allein auf der gleichen Bahn weiter ziehen.

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Ute Kehse
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