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Astronomie+Physik

Phobos, der Schutthaufen

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Der Marsmond Phobos ist ein Schutthaufen, dessen Ursprung noch nicht geklärt ist. Bild: Gerhard Neukum, ESA/ DLR/ FU Berlin
Der Marsmond Phobos ist wahrscheinlich kein massiver Gesteinsbrocken, sondern ein Haufen Schutt, der durch Schwerkraft zusammengehalten wird. Zu dieser Annahme kommen europäische Astronomen, nachdem sie Daten der Weltraumsonde Mars Express ausgewertet haben. Ob das Gesteinsmaterial von der Marsoberfläche selbst kommt oder aus dem Asteroidengürtel stammt, ist bislang allerdings unklar. Dies kann möglicherweise geklärt werden, wenn russische Weltraumforscher von ihrer Phobos-Mission, die für das nächste Jahr geplant ist, Gesteinsproben mitbringen und analysieren.

Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin und seine Kollegen nutzten Bilder von Phobos, die Mars Express bei verschiedenen Vorbeiflügen mit einer hochauflösenden Stereokamera gemacht hatte, um ein möglichst genaues 3D-Modell des Marsmondes zu erstellen. Mit Hilfe dieses Modells schätzten sie die Abmessungen des unregelmäßigen Gesteinsklumpens auf 27 mal 22 mal 19 Kilometer. Ein anderes Team bestimmte auf der Basis von Radiosignalen die genaue Masse von Phobos, die etwa ein Milliardstel der Erdmasse ausmacht.

Mit diesen bisher exaktesten Angaben über Masse und Volumen des Mondes kann nun die Dichte berechnet werden. Nach ersten Abschätzungen liegt sie bei nur 1,85 Gramm pro Kubikzentimeter. Im Vergleich dazu ist die Dichte des Felsgesteins an der Marsoberfläche fast doppelt so hoch. Es gibt allerdings eine bestimmte Art von Asteroiden, die eine ähnliche Dichte haben wie Phobos, erläutern die Wissenschaftler. Sogenannte D-Asteroiden bestehen vermutlich aus vielen kleinen Gesteinsbrocken und werden von Forschern daher als Schutthaufen („Rubble Pile“) bezeichnet. Auch ältere Daten weisen darauf hin, dass Phobos und die D-Asteroiden eine ähnliche Zusammensetzung haben. Das könnte bedeuten, dass Phobos und möglicherweise auch der zweite, kleinere Marsmond Deimos eigentlich Asteroiden sind, die irgendwann in das Schwerefeld des roten Planeten gerieten.

Phobos könnte aber auch aus Marsgestein bestehen, das während eines großen Meteoriteneinschlags in den Weltraum geschleudert wurde. Diese Stückchen haben sich möglicherweise aneinandergelagert und so den Schutthaufen gebildet.
Die Wahrheit über den Ursprung des Marsmondes wird wohl erst durch Laboranalysen des Mondgesteins ans Tageslicht kommen.

Mittleilung der ESA ddp/wissenschaft.de ? Sonja Römer
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