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Astronomie+Physik Erde+Klima

Pollen über Pollen

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In der Stadt haben Allergiker mit mehr Pollen zu rechnen, als auf dem Land. Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de
In Europa gibt es jedes Jahr mehr Blütenpollen. Das hat eine Langzeitstudie deutscher Wissenschaftler ergeben. Besonders betroffen sind städtische Gebiete.

In Deutschland leidet jeder Vierte an Allergien, Tendenz steigend. Besonders weit verbreitet: Heuschnupfen. Laut Statistiken beginnt mit dem Pollenflug im Frühjahr für immer mehr Menschen eine lange Saison des Schniefens, Niesens und Augenjuckens. Die Ergebnisse eines Forscherteams um Annette Menzel von der Technischen Universität München bestätigen die Vermutung, dass der Klimawandel dafür verantwortlich ist: Die Ökoklimatologin verglich die Trends von über 1.200 Pollenzeitreihen: Dafür waren an 97Standorten in ganz Europa zehn Jahre lang die Mengen an allergologisch wichtigen Pollen bestimmt worden.

Ländliche Regionen sind im Vorteil ? noch

Besonders betroffen sind laut den Ergebnissen Städte. Dort stieg die Menge an Pollen um 3 Prozent an, auf dem Land um 1 Prozent. Den Unterschied erklärt Menzel mit der höheren Schadstoffbelastung in urbanen Gebieten. Denn bisherige Forschung hat ergeben, dass eine erhöhte Kohlenstoff-Konzentration die Pollenproduktion beschleunigt. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Bebauung: Sie verursacht eine Temperaturerhöhung um bis zu 3 Grad Celsius. Langfristig wird der Klimawandel dafür sorgen, dass sich auf dem Land die Bedingungen genauso entwickeln, glaubt Menzel. Städtische Gebiete stellen für sie deshalb ein interessantes Forschungsfeld dar, um die Folgen der Erderwärmung besser abschätzen zu können. ?Der Blick in die Klimazukunft fällt jedenfalls nicht nur für Stadtbewohner unerfreulich aus?, so die Wissenschaftlerin.

Chiara Ziello (Technische Universität München) et al.: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0034076 © wissenschaft.de ? Marion Martin
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Kreuz|ver|hör  〈n. 11〉 1 〈Rechtsw.〉 Vernehmung eines Zeugen durch beide Parteien 2 〈allg.〉 Verhör einer Person durch mehrere andere mit oft scheinbar unzusammenhängenden Fragen ... mehr

Ur|mund  〈m. 2u; Biol.〉 Eingang der Gastrula: Blastoporus

Atomkraftwerke werden in der öffentlichen Meinung immer mal wieder gerne mit Krebs und im speziellen mit Leukämie in Verbindung gebracht. Es gibt vernünftige Studien zu dem Thema und diese basieren auf den Daten des DKKR, des Deutschen Kinderkrebsregisters. Dies hat vor allem zwei Gründe, denn erstens ist es eine inhärente Aufgabe des DKKR statistische Häufungen von Krebsfällen zu erkennen um somit die Bevölkerung zu schützen und zum anderen gibt es keine vergleichsweise zentrale Einrichtung für erwachsene Menschen in Deutschland.

Am meisten Resonanz hat die KIKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz von 2007/8 in der Bevölkerung ausgelöst und sie wird bis heute gerne sowohl von Atomkraftgegenern, als auch von Befürwortern zitiert. Diese scheinbar paradoxe Situation liegt vor allem daran, dass das Ergebnis der Studie nicht wirklich klar und eindeutig ist und daher verschiedene Interpretationen zulässt. “Klar und eindeutig” ist hier allerdings in politischen Sinne zu verstehen, denn die wissenschaftliche Aussage ist schon klar, lässt aber eben verschiedenen Interpretationen zu.

Aus den Zahlen des DKKR wurden 1.592 an Krebs erkrankte Kinder und 4.735 gesunde Kinder (unter 5 Jahren) bzgl. ihres Wohnortes untersucht und eine entsprechend signifikante Zahl an Fragebögen wurde an die Eltern verschickt. Bei der Auswertung ist dann herausgekommen, dass es eine statistisch bedeutende Korrelation zwischen einem Wohnort nahe an einem Kernkraftwerk  (5km) und einem (um ca. das doppelte) erhöhten Leukämierisiko gibt. Diese Meinung wird z.B. auch von Greenpeace geteilt, die in allen ihren Interpretationen eben von einem maximal doppelt so hohen Leukämierisiko ausgehen.

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Wie ich in einem vorherigen Artikel zu dem Thema schon geschrieben habe finde ich das extrem wichtig, denn die Interpretation von Greenpeace kann man mit Fug und Recht als WorstCase Szenario (für die betroffenen Menschen) ansehen. Falls die Studien eine Interpretation mit einem höheren Risiko zulassen würde, dann hätte Greenpeace sicherlich diese höheren Zahlen benutzt und nicht nur vom doppelten Risiko gesprochen. Darüber hinaus gesteht Greenpeace auch ein, dass die Interpretation nicht eindeutig ist und das man eben nicht mit 100%tiger Sicherheit sagen kann, dass dieses doppelte Risiko von den Kernkraftwerken her kommt. OK, was ist denn jetzt damit gemeint?

Grundsätzlich gilt Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Nur weil das Risiko für Kinder in der Nähe von AKWs Leukämie zu bekommen erhöht ist, heißt das noch lange nicht, dass die AKWs der Auslöser für diesen Krebs sind. Um von der Korrelation zur Kausalität zu kommen braucht man im wissenschaftlichen Sinne noch ein zweites Kriterium … einen plausiblen, nachweisbaren Wirkmechanismus. Der sollte in diesem Fall eigentlich recht einfach sein, denn ionisierende Strahlung verursacht erwiesenermaßen Krebs/Leukämie. Allerdings wird gerade in der Nähe von Atomkraftwerken ionisierende Strahlung sehr gut überwacht und die Überwachung ergab eben keine erhöhte Strahlung in der Nähe der AKWs.

Dies kann nun auf viele verschiedenen Arten interpretiert werden, von denen ich hier mal ein paar exemplarisch wiedergeben möchte.

  • Die Messdaten der ionisierenden Strahlung sind falsch. Der Grund hierfür kann jetzt sehr unterschiedlich sein.
    • Die Atomlobby hat die Daten gefälscht um keine Strafen zahlen zu müssen.
    • Die Messtation zeigen nur Gamma-Strahlung an. Somit würden inkorporierte Alpha und weiche Beta Strahler, die von den AKWs ausgehen nicht registriert werden.
    • Die ursächliche ioniserende Strahlung ist so gering, dass sie (von den Messtationen) nicht richtig gemessen werden kann.
  • Es gibt einen anderen Grund für die erhöhte Leukämierate
    • Hochspannungsleitungen
    • bestimmte Chemikalien, die in den Gebieten, in denen die AKWs stehen, öfter eingesetzt werden, als in anderen Gegenden z.B. Holzschutzfarbe.
    • sozialökonomische Gründe, wie z.B. Ernährung oder Stress

Alle diese Gründe sind, von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, gleichwertig und die Studie kann leider keine dieser Möglichkeiten ausschließen.

Des weiteren hat die Studie einige Schwachpunkte, die ebenfalls noch weiter dazu beitragen, dass die Ergebnisse nicht eindeutig interpretiert werden können. Der Rücklauf der Fragebögen von den angeschriebenen Eltern war relativ gering. Dadurch ist der Fehler in der Statistik, die sich auf die Fragebögen stützen, verhältnismäßig hoch und damit der Interpretationsraum entsprechend groß. Zusätzlich stützt sich die Auswertung primär auf die Einträge im DKK-Register, was zwar generell eine Lokalisierung des Wohnortes auf 250 Meter Genauigkeit erlaubt, aber gerade bei “unförmigen” Kreisen und Kreisfreien Städten zu größeren Ungenauigkeiten führt. Darüber hinaus ist die absolute Zahl an Fällen so gering, dass nicht zwischen einzelnen AKWs unterschieden werden kann, sondern pauschal für alle 16 untersuchten AKWs gerechnet werden muss. Unter diesen 16 AKWs ist auch das AKW Krümmel, das eine deutlich höhere Zahl als andere AKWs aufweist, aber wegen der geringen Statistik nicht herausgerechnet werden kann.

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