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Sauropoden zweibeinig unterwegs?

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Der Körperbau von Sauropoden macht ihre vierbeinige Fortbewegungsweise klar. (Illuistration: leonello/istock)
Der Körperbau der Sauropoden macht eindeutig klar: Brontosaurier und Co konnten nur auf vier Beinen vorwärts stapfen. Dies bestätigen auch versteinerte Fußspuren der Giganten – doch es gibt seltsame Ausnahmen: Spuren, die nur aus Abdrücken von Hinterbeinen bestehen. Bisher vermutete man, dass die Tiere sie bei teilweise schwimmender Fortbewegung im Sediment hinterlassen haben. Ein Paläontologenteam hat sich nun erneut mit besonders gut erhaltenen „zweibeinigen“ Spuren beschäftigt. Sie kommen nun zu einer Erklärung ohne den Effekt von Wasser: Die Abdrücke der Vorderbeine waren vermutlich einfach nur nicht tief genug.

Die Spuren, die das Team um Lida Xing von der Universität Peking untersucht hat, wurden im Norden Chinas entdeckt. Datierungen zufolge stammen sie aus der Kreidezeit – sie sind ungefähr 120 Millionen Jahre alt. Es handelt sich um kreisförmige Abdrücke mit klaren Spuren der Zehennägel im Vorderbereich. Anhand dieser Merkmale lassen sich die Spuren eindeutig einer Dinosaurierart zuordnen, die zu den Sauropoden gehörte. Diese Gruppe der Dinosaurier brachten im Laufe der Evolution viele verschieden Spezies und Untergruppen hervor, darunter ausgesprochene Dino-Prominenz: beispielsweise die Brontosaurier und die gigantischen Titanosaurier.

Im Wasser entstanden?

Alle Sauropoden besaßen einen charakteristischen Körperbau: einen langen Schwanz und Hals und einen massigen, tonnenförmigen Körper, der auf vier säulenartigen Beinen ruhte. Vermutlich konnten sich einige Arten aufrichten – aber sicherlich nicht auf den beiden Hinterbeinen laufen: „Niemand würde behaupten, diese riesigen Dinosaurier hätten allein auf ihren Hinterbeinen vorwärts taumeln können – sie wären natürlich umfallen“, sagt Lida Xing von der Universität Peking.

Bisher galt als mögliche Erklärung für die zweibeinigen Spuren deshalb der tragende Effekt des Wassers, der dazu geführt haben könnte, dass die Vordergliedmaßen der Tiere sich vom Grund entfernten. Doch dafür fanden die Forscher nun keine Hinweise. Ihre Auswertungen weisen auf eine Fortbewegung an Land hin: Vergleiche zeigten, dass die Abdrücke prinzipiell denen glichen, die von vierbeinigen Spuren stammen. Wenn es sich um eine teilweise schwimmende Fortbewegungsweise gehandelt hätte, wäre dies nachweisbar, sagen die Forscher: Dann hätten die Hinterbeine Schleif- oder Kratzspuren im Sediment hinterlassen.

Ein Effekt des Erhaltungsprozesses

Den Untersuchungsergebnissen zufolge waren die Dinosaurier hingegen in weichem Sand an Land unterwegs. Auf den Hinterbeinen lastete dabei mehr Gewicht, weshalb sie tiefer als die Vordergliedmaßen einsanken. Der Prozess, der dazu führte, dass die Fußabdrücke versteinerten, erfasste wohl dann nur die hinteren Abdrücke effektiv genug, erklären die Wissenschaftler.

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„Wir behaupten nun nicht, dass Sauropoden nicht schwimmen konnten“, sagt Co-Autor Mike Benton von der Universität Bristol. „Unsere Studie weist nur darauf hin, dass bei genauerer Untersuchung eine weniger besondere Ursache für fossile Fußspuren klar werden kann: Das Fehlen der Spuren der Vordergliedmaßen kann schlicht an Sedimentationsprozessen liegen und muss nicht auf Verhaltensweisen von Dinosauriern zurückzuführen sein“, so der Paläontologe.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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