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Astronomie+Physik

Schäfchenwolken auf der Venus

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Das in der Nähe des Venus-Südpols gelegene Wolkenband mit seinen gleichmäßigen Lücken könnte durch steigende und fallende Gase verursacht werden. Bild: ESA/VIRTIS/INAF-IASF/Obs de Paris-LESIA
Mit den Augen der Raumsonde Venus Express gesehen, ist die dicht verschleierte Venus ihrem Nachbarplaneten Erde nicht ganz unähnlich. So erscheinen auf den Infrarot-Bildern der Sonde regelmäßige Wolkenmuster, die irdischen Schäfchenwolken verblüffend ähneln. Freilich haben die vom Weltraum aus sichtbaren Wolken einen Durchmesser von 150 Kilometern, berichtet die europäische Raumfahrtagentur Esa anlässlich des ersten Jahrestages des Starts von Venus Express.

„Obwohl die Wolkenstruktur sehr dynamisch und variabel ist, scheinen gewisse Muster am gleichen Ort wiederzukehren“, sagt Pierre Drossart vom Observatoire de Paris-Meudon in Frankreich, der für das Infrarot-Spektrometer „Virtis“ von Venus Express verantwortlich ist. Die Riesen-Schäfchenwolken erscheinen zum Beispiel stets auf dem 55. Grad südlicher Breite. Noch können sich die Forscher nicht erklären, wie sie entstehen: Auf- und absteigende Luftmassen könnten das Muster erzeugen oder auch unterschiedlich schnelle Winde, die in einer Grenzschicht Verwirbelungen hervorrufen. Die Wolken sind auf den Aufnahmen des Spektrometers als dunkle Flecken sichtbar, da sie die von unten kommende Wärmestrahlung der 450 Grad Celsius heißen Venus-Oberfläche abschirmen.

Auf dem Riesenplaneten Saturn hat die Sonde Cassini kürzlich ähnliche Wolkenmuster entdeckt. Zwischen den beiden Phänomenen muss aber kein Zusammenhang bestehen, sagte Drossart dem New Scientist: „Zwei Wellen können sich ähneln, auch wenn sie in der Natur ganz unterschiedliche Ursachen haben.“

Venus Express hat vor allem die Aufgabe, die Atmosphäre des höllisch heißen Nachbarplaneten zu untersuchen, der abgesehen von Größe und Gewicht nur wenig Ähnlichkeit mit der Erde hat. Die dichte Atmosphäre dreht sich wesentlich schneller als der Planet selbst, es treten Winde mit einer Geschwindigkeit von 360 Kilometern pro Stunde auf. Nur in der Nähe des Südpols, wo die Wolkendecke etwas dünner ist, kann das Instrument Virtis tiefere Schichten der Atmosphäre sehen.

Ute Kehse
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