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Astronomie+Physik

Schleier für die Liebesgöttin

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Die Nebelschleier verändern sich dynamisch, zeigen die Aufnahmen der Venus Monitoring Camera (VMC) während sieben kurz aufeinander folgender Orbits zwischen dem 8. Juli und dem 4. August 2007. Zu sehen ist jeweils die südliche Hemisphäre des Planeten. Zur besseren Orientierung ist das kontrastverstärkte Bild rechts unten von einem Gradnetz überlagert, das die Längen- und Breitengrade des untersuchten Gebiets zeigt. Bilder: ESA/MPS/DLR/IDA
Der Planet Venus hüllt seine Südhalbkugel hin und wieder in leuchtende Nebelschleier, zeigen Aufnahmen der Raumsonde Venus Express: Das bisher unbekannte Wetterphänomen taucht innerhalb weniger Tage auf und verschwindet ebenso schnell wieder, während es sich gleichzeitig über die Südhalbkugel bewegt. Die Schleier wechseln sich mit dunklen Wolkenformationen ab, die ebenfalls über den Planeten wandern. Sowohl Schleier als auch dunkle Stellen sind nicht im sichtbaren Spektrum des Lichts, sondern nur im ultravioletten Bereich zu beobachten.

Im normalen Licht erscheint die Venus wegen ihrer dichten Wolkendecke als Kugel mit einer vollkommen gleichförmigen Oberfläche. Im UV-Licht betrachtet werden jedoch überraschend dynamische globale Wetterphänome sichtbar, zeigen nun die Bilder des VMC-Kamerasystems an Bord von Venus Express: Aufgenommen im Juli vergangenen Jahres dokumentiert die Bildserie, wie sich in den oberen Atmosphärenschichten in der Nähe des Südpols riesige Nebelschwaden bilden, die nach und nach heller werden und sich anschließend wieder verdunkeln. Dabei wandern sie zuerst in Richtung Äquator und dann wieder zurück Richtung Pol. Die Helligkeit der Polarregion erhöhte sich dabei kurzfristig um ein Drittel, berichten die Forscher.

„Die Nebelschleier bestehen aus Schwefelsäure“, berichtet Venus-Express-Koordinator Dmitri Titov vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Deren Bildung erklären sich die Wissenschaftler so: Unterhalb von siebzig Kilometern Höhe enthält die kohlendioxidreiche Venusatmosphäre geringe Mengen an Wasserdampf und gasförmigem Schwefeldioxid. Gelangen diese Verbindungen durch bisher unbekannte atmosphärische Prozesse in höhere Schichten, werden sie durch die energiereiche UV-Strahlung der Sonne in hochreaktive Bruchstücke gespalten, die wiederum miteinander Schwefelsäuremoleküle bilden. „Der Prozess ähnelt ein bisschen dem, was mit dem Smog über Großstädten passiert“, erläutert Titov. Die Helligkeit entsteht, weil die Schwefelsäure UV-Licht stärker reflektiert als die restlichen Bestandteile der Atmosphäre. Zersetzt sie sich wieder, verschwindet auch das Leuchten.

Im Gegensatz zu den hellen Formationen ist die Entstehung der dunklen Bereiche für die Forscher ein Rätsel. Als nächstes wollen sie daher die Identität der chemischen Verbindungen ergründen, die in diesen Bereichen die UV-Strahlung absorbieren. Zudem sollen die dynamischen, chemischen und mikrophysikalischen Prozesse untersucht werden, die dem Transport von Wasser und Schwefeldioxid in die höheren Atmosphärenschichten zugrundeliegen. Die Raumsonde Venus Express befindet sich seit Anfang April 2006 in einer Umlaufbahn um die Venus und hat den Planeten seitdem mehr als 600 Mal umrundet.

Mitteilung der ESA ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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