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Astronomie+Physik

Sonnenfinsternis über Deutschland

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Am Freitagvormittag wird die Sonnensichel noch schmaler sein als hier (thinkstock)
Am Freitagvormittag, den 20. März 2015, ist es soweit: Deutschland erlebt eine partielle Sonnenfinsternis. Bei diesem seltenen Himmelsschauspiel schiebt sich der Mond so vor die Sonne, dass von uns aus gesehen nur noch eine schmale Sichel stehen bleibt. Auf dem Höhepunkt, etwa ab 10:30 Uhr, lohnt sich daher ein Blick in den Himmel – allerdings nur mit spezieller Schutzbrille. Spannend wird es bei klarem Himmel allerdings auch für die Stromkonzerne und Netzbetreiber, denn sie müssen dann schnell reagieren, um einen Netzkollaps abzuwenden.

Was ist wann zu sehen?

Los geht es etwa gegen 09:30 Uhr – im Südwesten Deutschlands einige Minuten früher, im Nordosten etwas später. Der dunkle Mond schiebt sich von rechts heran und wandert anschließend immer weiter in die helle Sonnenscheibe hinein. Der Höhepunkt der Abdeckung ist etwa eine Stunde später erreicht. Im Südwesten und im Rheinland tritt er zwischen 10:30 und 10:35 Uhr ein, in Berlin und Rostock dagegen erst gegen 10:40 bis 10:45 Uhr. Auf dem Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis ist der komplette obere Teil der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt, es bleibt nur eine Sichel am unteren Rand stehen.

Wie groß diese Sichel ist, hängt vom Standort ab: Im Nordwesten Deutschlands ist sie am kleinsten, in Schleswig-Holstein und auf den Nordseeinseln werden bis zu 83 Prozent der Sonne verdeckt. Nach Südosten hin wird die Sichel dagegen immer größer. In München und Regensburg liegt die Bedeckung nur bei knapp 70 Prozent. Der Grund dafür: Der Kernschatten des Mondes – der Bereich, in dem die gesamte Sonne verdeckt ist – berührt nur in einem schmalen Streifen im Nordatlantik die Erdoberfläche. Auf den Färöer-Inseln können Beobachter daher am Freitagvormittag eine totale Sonnenfinsternis erleben. Je weiter wir jedoch von diesem „Pfad der Totalität“ entfernt sind, desto unvollständiger wird die Sonne vom Mond bedeckt. Denn dann liegen wir nur in der Penumbra, dem äußeren Schattenbereich des Mondes. Dennoch: Selbst die partielle Finsternis könnte bei gutem Wetter den Himmel etwa so stark verdunkeln, als zöge eine Wolke vor die Sonne.

Nicht ohne Augenschutz!

Aber Achtung: Das faszinierende Himmelsschauspiel ist brandgefährlich – für unsere Augen. Wer ohne geeigneten Schutz in die Sonnen blickt, riskiert sein Augenlicht. Ausreichend Schutz bietet nur eine spezielle Sonnenfinsternisbrille, denn sie lässt maximal 0,001 Prozent des Sonnenlichts hindurch und filtert damit genügend Strahlung heraus, um die Augen zu schützen. Tabu sind dagegen Hausmittel wie rußgeschwärzte Gläser, schwarze Filmstreifen, CDs oder ähnliches. Auch dunkle Sonnenbrillen reichen nicht aus, um die Augen zu schützen. „Sie sind für die Beobachtung der Sonne nicht nur ungeeignet, sondern gefährlich“ warnt das Bundesamt für Strahlenschutz. Weil die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren besitzt, kann die energiereiche Strahlung der Sonne sie schädigen, bevor wir es überhaupt merken.

Aber auch wer keine Sonnenfinsternisbrille hat, kann das Schauspiel bestaunen: Man kann beispielsweise mit einer Nadel ein kleines Loch in einen Karton bohren und das durch dieses Loch fallende Licht auf ein Blatt Papier werfen – durch diese simple Lochkamera zeichnet sich die Sonnensichel deutlich ab. Und auch dort, wo das Sonnenlicht durch eine Baumkrone auf den Boden fällt, zeichnen sich helle Lichtsicheln ab. Außerdem bieten viele Sternwarten Veranstaltungen an, auf denen man das Ereignis mit Teleskopen verfolgen kann. Die Sternwarte Peterberg im Saarland wird einen Livestream anbieten, wenn das Wetter mitspielt.
http://sternwarte-peterberg.de/sofi/

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Solarstrom: Droht ein Netz-Kollaps?

Sollte es am Freitag sonnig sein, dann freuen sich zwar alle Finsternisbeobachter, nicht aber die Stromkonzerne und Netzbetreiber. Denn für sie herrscht dann höchste Alarmbereitschaft. Der Grund: Die leichte Verdunklung der Sonne reicht aus, um die Leistung der rund 1,4 Millionen Photovoltaikanlagen in Deutschland messbar zu senken. Innerhalb von Minuten kann sich die Leistung dann um bis zu 15 Gigawatt verringern und dann wieder um gut 20 Gigawatt erhöhen, wie Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ermittelten. Für das Stromnetz bedeutet dies eine Schwankung, die über die normalen Wettereffekte hinausgeht, so die Wissenschaftler.

Angst vor einem Blackout müssen die Deutschen aber trotzdem nicht haben. „Unsere Analysen zeigen, dass der konventionelle Kraftwerkspark und insbesondere die flexiblen Pumpspeicherkraftwerke technisch in der Lage sind, diese zeitlichen Änderungen der PV-Leistung auszugleichen“, erklärt Bruno Burger vom Fraunhofer ISE. „Zudem sind auch Windenergieanlagen und große PV-Anlagen technisch in der Lage, ihre Einspeiseleistung in kürzester Zeit zu reduzieren und dadurch zur Systemstabilität beizutragen.“ Für die Netzbetreiber bedeutet dies allerdings mehr Aufwand: Strom muss schnell umgeleitet, Kraftwerke hinzugeschaltet werden. Um das zu bewerkstelligen, werden mehr Mitarbeiter als üblich die Netzstabilität überwachen. Der große Vorteil an der Sonnenfinsternis: Wetter und Zeitpunkt der Verfinsterung sind im Voraus bekannt – die Verantwortlichen können sich daher darauf einstellen.

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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