Steakmesser im Maul - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Steakmesser im Maul

15-07-28-dino.jpg
Ein Gorgosaurus reißt seine Beute, eine spezielle Zahnstruktur hiflt ihm dabei (Danielle Dufault)
Der Tyrannosaurus rex gilt bis heute als einer der größten Fleischfresser der Erdgeschichte. Doch wie erfolgreich der für seine Größe ziemlich schnelle Dinosaurier als Jäger war, ist umstritten. Jetzt liefern US-Forscher ein neues Indiz für die die furchteinflößende Effizienz des Urzeit-Raubtiers: T. rex und einige seiner Verwandten besaßen eine einzigartig scharfe und stabile Zahnstruktur. Ihre Zahnspitzen hatten eine eingekerbte Schneide, die einem Steakmesser ähnelte, wie Analysen enthüllen. Das ermöglichte es den Raubsauriern, ihrer Beute problemlos das Fleisch von den Knochen zu reißen.

Der fast sieben Tonnen schwere und 13 Meter lange Tyrannosaurus war das größte Raubtier der Kreidezeit. Wen der vor 65 Millionen Jahren lebende Raubsaurier aber tatsächlich jagte und wie stark er zubeißen konnte, ist umstritten. So bescheinigen einige Forscher dem T. rex einen „knochenzerquetschenden Biss“, während andere davon ausgehen, dass die Beißkraft des Urzeitriesen gerade einmal ausreichte, um Jungtiere oder Aas zu fressen. Erwachsene Beute scheint ihm dagegen ziemlich häufig entkommen zu sein, wie der Paläontologe Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München vor einigen Jahren feststellte. Seiner Ansicht nach jagte der Tyrannosaurus daher eher wie viele heutige Raubtiere auch: Er konzentrierte sich auf kranke, alte und junge Beutetiere. Dem allerdings widerspricht ein Fund aus dem Jahr 2013: Damals hatten Paläontologen den Knochen eines rund 13 Meter langen Entenschnabel-Dinosauriers entdeckt, in dessen Schwanzknochen noch der Zahn eines T.rex steckte  –  ein klarer Hinweis auf einen Angriff auf den pflanzenfressenden Koloss durch diesen Raubsaurier.

Kirstin Brink von der University of Toronto Missisauga und ihre Kollegen haben sich der Frage nach Beißkraft und Beutefang des T. rex und einiger seiner Zeitgenossen nun auf andere Weise genähert: Sie untersuchten die Struktur der Zähne dieser Urzeit-Räuber. Dazu fertigten sie Dünnschnitt-Präparate der Zähne von acht verschiedenen Raubsaurier-Arten an, darunter Tyrannosaurus rex, Allosaurus, Gorgosaurus und der sehr frühe und kleine Raubsaurier Coelophysis. Allein dieser Schritt war schon nicht ganz einfach, denn die Forscher mussten gezielt die Spitzen der messerscharfen Zähne erwischen. Mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops und speziellen Röntgenstrahlen analysierten sie Aufbau und Zusammensetzung der Dino-Beißer.

Sägestruktur in der Zahnspitze

Die Analysen enthüllte Überraschendes: T. rex und seine Kollegen besaßen demnach eine einzigartige, perfekt auf den effektiven Beutefang ausgelegte Zahnstruktur. Die Spitze ihrer Zähne war tief eingekerbt und bildete so eine gesägte Schnittkante – ähnlich wie ein Steakmesser. Dies ermöglichte es den Raubsauriern, ohne große Kraftanstrengung Muskeln, Sehnen und Knochen ihrer Beute zu zertrennen und das Fleisch von den Knochen zu reißen, wie die Forscher berichten. Ihre Untersuchungen ergaben zudem, dass sich die Zahnstruktur dieser Dinosaurier bereits bei den Jungtieren entwickelte, denn schon ihre noch nicht durchgebrochenen Zähne lassen die charakteristischen Zacken erkennen. Obwohl es viele Raubtiere gab und gibt, die größere Beute reißen, scheint diese spezielle Sägestruktur eine Eigenheit von Tyrannosaurus rex und anderen theropoden Raubsauriern gewesen zu sein. Andere ausgestorbene Raubtiere besaßen zwar oberflächlich gesehen ähnliche Zahnformen, Im Zahninneren fehlte ihnen jedoch die spezielle und enorm stabile Gewebeanordnung. Die einzige Ausnahme sind die Komodo-Warane Indonesiens: Diese bis zu drei Meter großen Echsen besitzen diese steakmesser-artigen Zähne ebenfalls.

„Das Faszinierende daran ist, dass alle Tierzähne aus den gleichen Bausteinen bestehen“, sagt Brink. „Aber die Art, wie diese Bausteine zusammengefügt sind, um die Zahnstruktur zu bilden, beeinflusst entscheidend, wie dieses Tier sein Futter frisst.“ Nach Ansicht der Forscher spricht die unerwartete Komplexität der Zahnstruktur von T. rex und Co dafür, dass diese Raubsaurier durchaus auch größere Beute reißen konnten. „Sie waren wahrscheinlich effizienter beim Beutefang als man bisher dachte“, so Brink.

Anzeige

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung

Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Anzeige

Dossiers

Bücher

Wissenschaftslexikon

Tier|art  〈f. 20; Zool.〉 Art, Ordnungseinheit von Tieren, die in den wesentlichen Merkmalen übereinstimmen u. sich untereinander fortpflanzen können ● eine seltene ~; vom Aussterben bedrohte ~en

Ka|nü|le  〈f. 19; Med.〉 1 Hohlnadel an einer Injektionsspritze 2 Röhrchen zum Zu– od. Ableiten von Luft od. Flüssigkeiten (bes. nach Luftröhrenschnitt) ... mehr

Per|en|ne  auch:  Pe|ren|ne  〈f. 19; Bot.〉 mehrjährige Pflanze ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige