Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Stürmischer Klimafaktor

154246062.jpg
Credit: Thinkstock
Die Randmeere des Nordatlantiks vor den Küsten von Grönland, Island und Norwegen sind für stürmisches Wetter bekannt. Diese Polartiefs spielen eine entscheidende Rolle dabei, das Förderband der Meeresströmungen in Gang zu halten, das warmes Wasser aus der Karibik bis in den Nordatlantik transportiert, berichten jetzt Alan Condron und Ian Renfrew. Doch in Klimamodellen fehlen die verhältnismäßig kleinen und kurzlebigen Stürme bislang. ?Das ist ein echtes Problem, weil die Modelle nicht korrekt vorhersagen, wie viel Wärme nordwärts zu den Polen transportiert wird?, sagt Alan Condron. ?Das macht es schwierig vorherzusagen, wie sich das Klima von Europa und Nordamerika in naher Zukunft verändern wird.?

Während tropische Stürme oft einen Durchmesser von tausenden Kilometern haben und tagelang ihr Unwesen treiben, betreffen Polartiefs oft nur ein Gebiet mit einem Durchmesser von 500 bis 1000 Kilometern und sind schon nach 24 Stunden wieder vorbei. Doch jedes Jahr bauen sich in der Grönlandsee, der Norwegischen See oder der Irminger-See Tausende dieser Tiefdruckgebiete auf. Nicht selten bringen sie Winde in Orkanstärke mit sich.

Conlon und Renfrew berechneten nun, welchen Einfluss die Polartiefs auf die Tiefenwasserbildung im Nordatlantik haben. Im Meeresgebiet zwischen Grönland, Island und Norwegen sinkt an vielen Tagen im Jahr kaltes, salzreiches Wasser von der Oberfläche bis in die Tiefsee und breitet sich dann am Boden des Atlantiks bis in niedrige Breiten aus. Das Absinken des kalten Wassers im Norden hält das Förderband der Meeresströmungen im Atlantik in Gang. Es beginnt mit dem Golfstrom vor Florida und geht dann in den Nordatlantikstrom über, der Wärme und Feuchtigkeit nach Nordwesteuropa transportiert.

Wie die beiden Forscher berichten, spielen die Polartiefs eine wichtige Rolle dabei, die Tiefenwasserbildung in Gang zu setzen. Die Sturmwinde durchmischen die obersten Meeresschichten und kühlen das Wasser stark aus. So wird es schwer genug, um in die Tiefe sinken zu können. Die Forscher untersuchten mit einem Computermodell, welchen Einfluss die Polartiefs haben. Dazu ließen sie Klimamodelle einmal mit und einmal ohne solche Tiefdruckgebiete durchlaufen. ?Sie sind schwer vorherzusagen, spielen aber eine große Rolle dabei, die großräumige Ozeanzirkulation anzutreiben?, sagt Ian Renfrew.

Durch die globale Erwärmung werden sich die Polartiefs vermutlich in Zukunft aus dem Nordatlantik ins Nordpolarmeer verlagern. Renfrew und Condron vermuten, dass sich die Wärmepumpe im Nordatlantik dadurch abschwächen könnte. Um Klarheit zu bekommen, sollten die Polartiefs in Zukunft in Klimamodelle eingebaut werden, schlagen die Forscher vor.

Anzeige

Alan Condron (University of Massachusetts, Amherst, USA) and Ian Renfrew (University of East Anglia, Norwich, UK): Nature Geoscience, Online-Vorabausgabe, doi: 10.1038/ngeo1661 © wissenschaft.de – Ute Kehse
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ge|net|te  〈[nt()] f. 19; Zool.〉 Angehörige einer Gattung der Schleichkatzen mit dunkelgeflecktem Fell, das als Pelzwerk geschätzt ist: Genetta; Sy Ginsterkatze ... mehr

Fla|gel|lant  〈m. 16〉 Angehöriger einer der Bruderschaften im MA, die sich aus relig. Gründen (zur Buße, Kasteiung) selbst geißelten; Sy Geißler ... mehr

Par|äs|the|sie  auch:  Pa|räs|the|sie  〈f. 19; Med.〉 abnorme Empfindung als Folge von Nerven– od. Durchblutungsstörungen, z. B. Eingeschlafensein von Gliedmaßen ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige