Supernova steht auf Typveränderung - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik

Supernova steht auf Typveränderung

Die Supernova, die 2001 am Rand der Galaxie NGC 7424 explodierte, gab Astronomen Rätsel auf: Zuerst verhielt sich der explodierende Stern wie eine Supernova vom Typ II, später zeigte er ein für einen anderen Typ charakteristisches Verhalten. Schuld an dem Durcheinander ist ein schwerer Begleitstern, berichten Stuart Ryder vom Anglo-Australian Observatory in Sydney und Kollegen jetzt in der Zeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.

Die Supernova SN2001ig ereignete sich vor fünf Jahren in der 37 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie NGC 7424, die am Südhimmel im Sternbild Grus (der Kranich) zu sehen ist. Zuerst ordneten die Astronomen die Explosion als Typ-II-Supernova ein, weil die Explosionswolke viel Wasserstoff enthielt. Innerhalb von Wochen verschwand das leichte Element allerdings aus der Wolke. Fortan ähnelte die Supernova einer Variante vom Typ I. „Wir kategorisieren Dinge gerne und packen sie in Schubladen“, sagte Ryder dem Nachrichtendienst Space.com. „Aber die Dinge, die von einer Schublade in die andere springen, sind häufig besonders interessant. Sie zeigen uns, dass wir etwas nicht so gut verstanden haben, wie wir dachten.“

Bislang sind nur sehr wenige Supernovae beobachtet worden, die im Verlauf der Explosion den Typ wechselten. Ryder und seine Kollegen beobachteten die Explosionswolke zunächst mit dem Anglo-Australian Observatory in Australien und stellten fest, dass sich die Materie in der Wolke stärker verklumpte als erwartet. Das brachte sie auf die Spur des unsichtbaren Begleiters. Ihren Berechnungen nach musste sich ein zweiter Stern in einer stark elliptischen Umlaufbahn um SN2001ig befinden. Der Begleiter, der die Sternenleiche alle 40 Jahre einmal umrundet, wirbelte Gas und Staub auf und brachte das Material in Spiralform.

Inzwischen hat sich die Explosionswolke so weit gelichtet, dass der gelblich-grüne Begleiter sichtbar wurde. Die Forscher entdeckten den Stern, der nach ihren Schätzungen 10- bis 18-mal soviel wiegt wie die Sonne, mit dem leistungsstarken Gemini-South-Teleskop. Ryder vermutet, dass schwere Begleitsterne Supernova-Explosionen womöglich beschleunigen können. „Es könnte sein, dass solche Begleiter nicht nur unschuldig daneben stehen“, so der Forscher. „Sie könnten die Evolution eines Sterns beschleunigen, so dass er früher zur Supernova wird.“

Stuart Ryder, Clair Murrowood und Raylee Stathakis: „A post-mortem investigation of the Type IIb supernova 2001ig“, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Letters Online Early (doi:10.1111/j.1745-3933.2006.00168.x) Ute Kehse
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Lü|gen|dich|tung  〈f. 20; Lit.〉 volkstüml. Erzählung unmögl. od. stark übertriebener Begebenheiten, z. B. die Geschichte des Barons v. Münchhausen

Wüs|ten|luchs  〈[–ks] m. 1; Zool.〉 Raubkatze in Wüsten u. Steppen: Lynx caracal; Sy Karakal ... mehr

ag|nos|zie|ren  〈V. t.; hat〉 1 anerkennen 2 〈österr.; selten〉 identifizieren ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige