Titanische Gestade - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Titanische Gestade

Auf dem Saturnmond Titan gibt es möglicherweise einen See aus flüssigem Methan. Das schließen Wissenschaftler der Nasa und der Universität von Arizona aus Bildern eines außergewöhnlichen dunklen Flecks, die von der Raumsonde Cassini aufgenommen wurden. Der Fleck ähnelt einem See mit feinen, uferähnlichen Grenzen. Weitere Beobachtungen durch Cassini sollen mehr Aufschluss über das seeähnliche Gebilde geben, teilt die Nasa mit.

Der mutmaßliche See ist mit rund 16.900 Quadratkilometer etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Die Ränder dieses riesigen dunklen Fleckens sind Seeufern auf der Erde außergewöhnlich ähnlich, die durch die Wassererosion und Ablagerungen glatt geworden sind. Die dunkle Vertiefung liegt am Südpool in der am stärksten bewölkten Region des Titans. Dies sei auch der Ort, an dem ein Methanregen in letzter Zeit am wahrscheinlichsten war, erklären die Wissenschaftler. Einige Stürme in dieser Region könnten stark genug sein, um einen Methanregen zu erzeugen, der auf die Oberfläche gelangt. Da die Temperatur auf dem Titan nur minus 179 Grad Celsius beträgt, würde der Kohlenwasserstoff eine lange Zeit als flüssiger See überdauern, bevor er wieder verdampft.

Der mysteriöse Fleck könnte aber auch ein bereits ausgetrockneter See sein, der dunkle Ablagerungen hinterlassen hat. Die Forscher können sich jedoch auch vorstellen, dass der vermeintliche See einfach eine breite Vertiefung ist, die mit dunklen, festen Kohlenwasserstoffpartikeln gefüllt ist, die aus der Atmosphäre auf den Saturnmond fallen. In diesem Fall wäre der glatte Rand das Resultat eines Prozesses, der nichts mit Regenfall und damit Erosion zu tun hat. Vielmehr würde er zum Beispiel einem Vulkankrater gleichen oder einem so genannten Ponor, an dem ein Bach oder Fluss von der Oberfläche verschwindet und dann unterirdisch weiter fließt.

Einen Beweis für offenliegende flüssige Flächen auf dem Titan gibt es bislang nicht: Die Raumsonde Cassini hat bisher nicht die richtige Lage erreicht, um in der Südpolregion ein Glitzern von flüssigen Oberflächen aufzeichnen zu können. Doch irgendwann könnten die Wolken nordwärts ziehen, weil sich die Jahreszeiten innerhalb einiger Jahre verändern, erklären die Wissenschaftler. Dann sei es interessant zu beobachten, ob sich auch die Bilder verändern würden, die Cassini von der Titanoberfläche schießt.

Nasa, Pressemitteilung

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ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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