Tychos verschwundener Stern ist wieder aufgetaucht - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Tychos verschwundener Stern ist wieder aufgetaucht

Am 11. November 1572 entdeckte der dänische Astronom Tycho Brahe im Sternbild Cassiopeia einen hellen neuen Stern. Wie sich später herausstellte, hatte er eine gewaltige Sternenexplosion beobachtet, eine Supernova. Jetzt haben Pilar Ruiz Lapuente von der Universität von Barcelona und Kollegen den bislang unbekannten Begleitstern von Tychos Supernova gefunden, der das Brennmaterial für die Explosion lieferte.

Tychos Supernova ist unter anderem deswegen in die Geschichte eingangangen, weil sie das auf Aristoteles zurückgehende Weltbild erschütterte, demzufolge der Himmel unveränderlich war. Womöglich ließ sich sogar Shakespeare davon inspirieren und erwähnte das Himmelszeichen in der Eröffnungsszene von Hamlet.

Astronomen fanden später heraus, dass es sich um eine Supernova vom Typ Ia handelte. Dabei explodiert ein Weißer Zwerg, der von einem Begleiter so viel Masse aufgesaugt hat, dass er instabil wird. Da der Verlauf dieser Explosionen einem regelmäßigen Muster folgt, dienen die Ia Supernovae auch als Standardkerzen für die Entfernungsmessung im Weltall. Ein Ergebnis solcher Untersuchungen war die Tatsache, dass sich die Ausdehnung des Weltalls beschleunigt. Wegen der tief greifenden kosmologischen Konsequenzen versuchen Astronomen, Supernovae dieses Typs besser zu verstehen. Bislang war nämlich unklar, welche Sternentypen als Begleiter in Frage kommen, oder ob Ia-Supernovae nur durch die Verschmelzung von zwei Weißen Zwergen entstehen können.

Ruiz Lapuente und Kollegen berichten jetzt im Wissenschaftsjournal Nature (Bd. 431, S. 1069), dass der mutmaßliche Begleiter von Tychos Supernova ein relativ normaler Stern ähnlich unserer Sonne und etwa 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Die Forscher identifizierten den Stern durch seine ungewöhnliche Geschwindigkeit: Er bewegt sich dreimal so schnell wie andere Sterne in der gleichen Gegend. Nun wollen die Forscher die Atmosphäre des Sterns daraufhin untersuchen, ob sie durch die Explosion verschmutzt wurde.

Ute Kehse
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