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Astronomie+Physik

Ultima Thule: Was der Besuch ergeben hat

Ultima Thule
Dieses Bild von Ultima Thule nahm "New Horizons" am 1. Januar 2019 auf. (Bild: NASA/ Johns Hopkins University/ Southwest Research Institute)

Der Kuipergürtel ist eine Region im fernen Außenbereich unseres Sonnensystems. In diesem Gebiet jenseits des Neptuns kreisen zahlreiche Himmelskörper – darunter auch Ultima Thule. Das Objekt ist der am weitesten entfernte Himmelskörper des Sonnensystems, der jemals von einer Raumsonde aus der Nähe untersucht wurde. Erst Anfang des Jahres flog „New Horizons“ an Ultima Thule vorbei. Nun präsentieren Astronomen die Auswertungsergebnisse der dabei gesammelten Daten.

Die NASA-Raumsonde „New Horizons“ hat seit ihrem Start 2016 für einige spannende Entdeckungen gesorgt. Unter anderem passierte sie vor gut drei Jahren als erster menschengemachter Flugkörper den Zwergplaneten Pluto. Anfang dieses Jahres gelang der Sonde dann eine weitere Premiere: Sie flog an Ultima Thule im sogenannten Kuipergürtel vorbei – einem Himmelskörper, der rund 6,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt liegt und damit am Rand unseres Sonnensystems. Dieses Objekt mit dem wissenschaftlichen Namen (486958) 2014 MU69 stammt aus einer frühen Phase unserer galaktischen Heimat und hat die Zeit seitdem weitgehend ungestört überdauert. Forscher erhoffen sich von Ultima Thule daher neue Erkenntnisse über die Geburtsstunde des Sonnensystems.

Wenige Krater auf der Oberfläche

Erste Einblicke in die Natur dieses weit entfernten Himmelskörpers sind nun gelungen. Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder und seine Kollegen haben Daten ausgewertet, die die New-Horizons-Sonde von ihrem Vorbeiflug an Ultima Thule übermittelt hat. Die hochaufgelösten Bilder, spektroskopischen Messungen und anderen Daten stammen von insgesamt sieben Instrumenten an Bord der Sonde. Bei den Analysen zeichnete sich ab: Wie schon auf Anfang des Jahres veröffentlichten Aufnahmen zu erkennen war, besitzt Ultima Thule eine langgezogene und eher flache, zweigeteilte Struktur. Die bilobäre Form ist laut den Wissenschaftlern wahrscheinlich durch die sanfte Kollision zweier kleinerer Objekte gebildet worden, die ursprünglich unabhängig voneinander entstanden sind.

Der ungewöhnlich geformte Himmelskörper mit einem maximalen Durchmesser von rund 30 Kilometern rotiert den Ergebnissen zufolge alle 15,92 Stunden einmal um seine eigene Achse. Auf seiner Oberfläche sind unterschiedliche geologische Strukturen zu erkennen, aber nur wenige Einschlagskrater. „Dies spricht dafür, dass die Kollisionsrate in dieser Umgebung vergleichsweise niedrig ist“, erklärt das Team. Messungen der Albedo offenbarten, dass Ultima Thule über hellere und dunklere Flecken auf seiner Oberfläche verfügt. In Bezug auf seine Komposition und Farbe zeigten sich jedoch kaum Variationen. Der Himmelskörper erscheint einheitlich rot.

Hinweise auf Methanol und Eis

Wie Spektralanalysen nahelegen, ist auf der Oberfläche des Himmelskörpers sowohl Methanol als auch Wassereis vorhanden. „Das eher schwache Signal weist aber darauf hin, dass die Menge des Eises zumindest in der obersten Oberflächenschicht von MU69 relativ gering ist“, schreiben Stern und seine Kollegen. Eine Atmosphäre scheint Ultima Thule ihren Analysen zufolge nicht zu besitzen. Und wie sieht es mit potenziellen Begleitern aus? Zumindest die vorläufigen Ergebnisse legen nahe, dass der Himmelskörper keine Gefolgschaft hat. So konnten die Forscher weder ihn umkreisende Ringe, noch Monde ausmachen.

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Allerdings steht die Erforschung von Ultima Thule noch ganz am Anfang: Die nun präsentierten Ergebnisse basieren dem Wissenschaftlerteam zufolge auf nur rund zehn Prozent der von „New Horizons“ gesammelten Informationen. Bis die Raumsonde all ihre Daten zur Erde geschickt hat, wird es voraussichtlich noch bis 2020 dauern. Erst dann können sich die Wissenschaftler ein vollständiges Bild von dem geheimnisvollen Himmelskörper am Rande unseres Sonnensystems machen – und möglicherweise neue Erkenntnisse über die frühe Geschichte unserer galaktischen Heimat erlangen.

Quelle: Alan Stern (Southwest Research Institute, Boulder) et al, Science, doi: 10.1126/science.aaw9771

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