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Astronomie+Physik Erde+Klima

Ur-Australier stießen noch auf „Drachen“

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Osteoderme sitzen in der Haut von Waranen. Credit Photo of the Komodo dragon by Bryan Fry, inset by Gilbert Price
Einst war Australien ein Land der „Drachen“: Bis zur letzten Eiszeit lauerten hier noch riesige Warane auf Beute. Es wurde bereits vermutet, dass die Vorfahren der Aborigines noch auf diese furchterregenden Echsen trafen, als sie vor rund 50.000 Jahren Australien erreichten. Dies bestätigt nun die Datierung eines winzigen Knöchelchens: Es gehörte zur Panzerung eines riesigen Warans, der zur fraglichen Zeit gelebt hat. Möglicherweise hatte der Mensch auch beim Aussterben der Riesen seine Hand im Spiel.

Auch heute hat Australien durchaus noch einen eindrucksvollen Waran zu bieten: der Perentie ( Varanus giganteus) kann immerhin eine Länge von etwa zwei Metern erreichen. Funde belegen allerdings, dass es hier einst noch deutlich größere Arten gab: In der Eiszeit lebte in Australien auch der bis zu drei Meter lange Komodowaran, der auf einigen der Kleinen Sundainseln Indonesiens bis heute überlebt hat. Doch dieser Riese hatte damals auf dem südlichen Kontinent noch einen weit größeren Konkurrenten: Megalania ( Varanus priscus). Manchen Schätzungen zufolge wurden die Tiere bis zu sieben Meter lang und wogen eine halbe Tonne. Vermutlich ernährten sie sich ähnlich wie die Komodowarane: Sie fielen ihre Beutetiere aus dem Hinterhalt an und verpassten ihren Opfern einen vergifteten Biss.

Hatte der Mensch beim Aussterben die Hand im Spiel?

Wann genau die letzten Megalania und auch die Komodowarane aus Australien verschwanden, ist unklar. Bisherige Datierungen von Fossilien kamen zu keinen eindeutigen Ergebnissen. Letztlich starben sie aber zusammen mit den anderen Vertretern der sogenannten Megafauna der Eiszeit aus. „Es wird schon lange diskutiert, ob der Mensch oder eher der damalige Klimawandel den Riesenechsen und dem Rest der Megafauna den Garaus gemacht hat“, sagt Gilbert Price von der University of Queensland in Brisbane. Im Fall der Riesenechsen war besonders fraglich, ob sie nicht schon bereits verschwunden waren, als die ersten Menschen Australien erreichten. „Nun kann der Mensch klar als potentieller Faktor beim  Aussterben in Betracht gezogen werden“, sagt Price.

Ein winziger Riesenknochen

Die Schlussfolgerungen der Forscher basieren auf einem nur etwa ein Zentimeter großen Knöchelchen, das in den Capricorn Caves in Australien gefunden wurde. Es handelt sich um ein sogenanntes Osteoderm, das unter der Haut vieler Reptilien sitzt, um ihr Festigkeit zu verschaffen. Bei dem Fossil aus den Capricorn Caves handelt es sich in scheinbar paradoxer Weise um den Knochen eines Riesen: Den Forschern zufolge muss das Osteoderm einem gigantischen Waran gehört haben. Anschließende Radiokarbon- und Uran-Thorium-Datierungen ergaben: Der Waran, in dessen Haut das Knöchelchen einst steckte, lebte vor etwa 50.000 Jahren. „Bei dem Fund handelt es sich nun um den jüngsten Nachweis eines gigantischen Warans auf dem ganzen Kontinent“, sagt Price. Nur welcher der beiden möglichen riesenhaften Arten es zuzuordnen ist, bleibt bislang unklar: Das Knöchelchen könnte Megalania oder aber einem Komodowaran gehört haben.

Spannender Zeitrahmen

„Wegen des Zeitrahmens ist der Fund nun sehr spannend“, sagt Price. Dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zufolge erreichten die Vorfahren der heutigen Aborigines Australien vor etwa 50.000 Jahren und breiteten sich anschließend auf dem Kontinent aus. Der Fund ist damit nun der erste konkrete Hinweis darauf, dass sie bei ihrer Ankunft auf „Drachen“ stießen. Die Forscher wollen nun weiter nach Fossilien in den Capricorn Caves suchen. Vielleicht wird sich dann klären, von welchem Riesen das Knöchelchen genau stammte und wie lange der Mensch Seite an Seite mit den riesigen Echsen koexistiert haben könnte.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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