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Ur-Krabbe stellt "kambrische Explosion" des Lebens in Frage

Schon im frühen Kambrium, vor 511 Millionen Jahren, gab es voll entwickelte Krustentiere. Das belegt ein Fund aus Shropshire in England, über den David Siveter von der University of Leicester und seine Kollegen im Journal Science berichten. Die Forscher entdeckten dort ein außerordentlich gut erhaltenes Exemplar aus der Gruppe der Ostrakoden, die bis in die heutige Zeit überlebt hat.

Die Art namens Phosphatocopida ist nur etwa einen halben Millimeter groß und ähnelt auf den ersten Blick der Figur aus dem Computerspiel „Packman“. Ungewöhnlich an dem Fossil sind vor allem die gut erhaltenen Weichteile, zum Beispiel die Mundpartie mit Antennen und Kiefern. „Es ist ein wundervolles Fossil“, freut sich Co-Autor Mark Williams. „Bei den meisten Fossilien ist nur der Panzer oder das Skelett erhalten, aber dieses Tier muss direkt nach seinem Tod mumifiziert worden sein, so dass die Beine und weiches Gewebe erhalten geblieben sind.

Die winzige Ur-Krabbe stellt bisherige Theorien über die Evolution in Frage. Vor etwa 545 Millionen Jahren, zu Beginn des Erdzeitalters Kambrium, tauchten plötzlich erstmals größere Tiere mit Panzern und Skeletten auf. Ältere Lebewesen sind entweder sehr viel kleinere Einzeller oder merkwürdige Wesen, die nicht mit heutigen Arten verwandt zu sein scheinen. Die Paläontologen sprechen deshalb von der „kambrischen Explosion“ des Lebens und vermuten, dass damals die Vorfahren der heutigen Lebewesen schlagartig auf den Plan traten.

Auch die meisten der heute üblichen Körperbaupläne scheinen damals entwickelt worden zu sein – neben einigen Formen, die sich nicht durchsetzen konnten. Dass es in so relativ kurzer Zeit nach Beginn des Kambriums voll entwickelte Krustentiere (Crustacea) gab, stellt die Theorie von der kambrischen Explosion in Frage. Denn die Crustacea gehören zum Stamm der Arthropoden oder Gliederfüßer, der auch Insekten, Tausendfüßler, Spinnen und die im Kambrium häufigen Trilobiten umfasst.

Der gemeinsame Vorfahr all dieser Tiere muss folglich wesentlich früher gelebt haben – höchstwahrscheinlich schon vor Beginn der kambrischen Explosion. Sie dürfte demnach durch eine langsame evolutionäre „Zündung“ vorbereitet worden sein, die nicht durch Fossilien überliefert wurde. Die Frage, warum zu Beginn des Kambriums so viele Tiere plötzlich einen größeren Körperbau entwickelten und sich harte Schalen zulegten, bleibt aber dennoch rätselhaft, auch wenn sich die Hinweise auf einen früheren Ursprung vieler Tierordnungen und -stämme mehren.

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Ute Kehse
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