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Astronomie+Physik Erde+Klima

Verschätzter Meeresspiegel

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Meeresspiegel-Änderungen 1993 bis 2008 (NASA)
Die globale Erwärmung lässt die Meeresspiegel ansteigen – das ist heute unstrittig. Weniger klar aber war bisher, wie stark dieser Anstieg tatsächlich ausfällt. Denn die Daten für den Vergleichszeitraum von 1900 bis 1990 sind sehr lückenhaft. US-Forscher haben sich diesen Basiszeitraum daher nun noch einmal vorgenommen und den Status des damaligen Meeresspiegels mit neuen statistischen Methoden überprüft. Ihr überraschendes Ergebnis: Die damalige Meereshöhe ist bisher um 30 Prozent über schätzt worden. Das aber bedeutet, dass die Meere seither sogar noch schneller angestiegen sind als bisher angenommen.

Typischerweise werden Abschätzungen des Meeresspiegel-Anstiegs gemacht, indem man vor allem auf Messwerte von Gezeiten-Messstationen zurückgreift. Denn ihre Datenreihen gehen teilweise bis ins 18. Jahrhundert zurück. Diese werden für die jeweiligen Meeresgebiete gemittelt und daraus dann der Meeresspiegel zur jeweiligen Zeit errechnet. Diese Methode hat allerdings einen großen Nachteil: „Die Gezeiten-Stationen liegen alle entlang der Küsten, daher sind große Bereiche des Ozeans in diesen Schätzungen gar nicht erfasst“, erklärt Erstautorin Carling Hay von der Harvard University in Cambridge. Zudem haben die Messreihen oft große Lücken, so dass schon länger der Verdacht besteht, dass vor allem die älteren Schätzungen verfälscht sein könnten. Heute wird der Meeresspiegel per Satellit vermessen, dabei lassen sich alle Meeresgebiete gleichermaßen gut erfassen.

Überraschende Abweichung

Hay und ihre Kollegen haben daher die Schätzwerte des Meeresspiegels vor allem der Zeit von 1900 bis 1990 mit einem neuen Ansatz überprüft. Dabei gingen sie zunächst nicht von den Messwerten der Gezeitenstationen aus, sondern rollten das Ganze quasi von hinten her auf: Sie errechneten anhand physikalischer Modelle, wie viel Schmelzwasser von den verschiedenen Eisschilden abgegeben wurde, wie stark sich das Meerwasser thermisch ausdehnte und auch, wie regionale Klimavariationen den Meeresspiegel beeinflussen. Parallel dazu nutzen sie jedoch auch neuere statistische Methoden, um Ausreißer in den alten Messwerten besser zu erkennen und so neue Schätzwerte zu ermitteln.

Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher: „Wir hatten erwartet, dass wir für 1900 bis 1990 bei 1,5 bis 1,8 Millimeter Anstieg pro Jahr landen würden, wie andere auch schon“, sagt Hay. Doch das war nicht der Fall. Stattdessen errechneten die Forscher mit beiden Methoden einen um rund 30 Prozent niedrigeren Anstieg für diese Zeitperiode von nur 1,2 Millimeter pro Jahr. „Das aber ist ein Problem“, erklärt Eric Morrow von der Harvard University. Denn wenn der Meeresspiegel zum Ausgangs- und Basiszeitraum niedriger lag als gedacht, dann bedeutet dies, dass der Anstieg seither sogar noch schneller und stärker erfolgte als bisher angenommen.

Und noch eine Auswirkung hat diese Verschiebung des Basiswerts: „Viele Modelle, die den künftigen Anstieg vorhersagen, nutzen diesen Basiswert als Bezugspunkt“, erklärt Morrow. Wenn aber dieser Bezugspunkt bisher überschätzt wurde, dann waren auch die Modelle bisher nicht korrekt kalibriert. Das könnte im Extremfall bedeuten, dass die bisherigen  Prognosen für das 21. Jahrhundert zu niedrig ausfallen und überprüft werden müssen.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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