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Von Läusen und Menschen

Der genetische Stammbaum der Kopflaus lässt Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte des Menschen zu. Das haben amerikanische Wissenschaftler bei Genanalysen der Plagegeister gezeigt, die bereits seit mehr als einer Million Jahre den Menschen und seine Vorfahren heimsuchen. Nach den Ergebnissen von David Reed von der Universität von Utah in Salt Lake City hatten die Vorfahren des heutigen Menschen vor etwa 25.000 Jahren engen Kontakt zu einer heute ausgestorbenen Spezies Mensch. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift PloS Biology (Ausg. 2, Bd. 11).

Die ausschließlich auf Menschen lebende Kopflaus Pediculus humanus ist in zwei Stämmen verbreitet: Ein Stamm kommt weltweit vor, während sich der zweite auf die beiden amerikanischen Kontinente beschränkt. Anhand der starken genetischen Unterschiede zwischen den beiden Abstammungslinien stellten die Wissenschaftler einen Stammbaum auf und datierten die Aufspaltung der beiden Linien auf die Zeit vor 1,18 Millionen Jahren. In diese Zeit datieren Wissenschaftler auch in der Entwicklung des Menschen eine Aufspaltung in zwei Linien: den heute ausgestorbenen Homo erectus und den Homo antecessor, aus dem später der Homo sapiens und der moderne Mensch hervorging.

Die Kopflaus könnte sich auf diesen zwei verschiedenen frühen Menschenformen zu den heute noch existierenden zwei verschiedenen Arten entwickelt haben, erklären die Wissenschaftler. Erst vor 25.000 bis 30.000 Jahren sprang die auf dem Homo erectus lebende Art auf den Homo sapiens über. Dies könne geschehen sein, als sich die beiden Spezies Mensch im Kampf begegneten oder auch friedliche Kontakte miteinander pflegten, spekulieren die Wissenschaftler. Ob es tatsächlich auch sexuelle Kontakte und damit eine genetische Durchmischung der beiden Menschenarten gegeben hat, sollen nun Genanalysen der Filzlaus Pediculus pubis zeigen, die nur durch sexuelle Kontakte übertragen wird.

ddp/bdw ? Anke Biester
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