Vorübergehende Weggefährten - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Vorübergehende Weggefährten

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Die Große Magellansche Wolke bewegt sich schneller als bisher gedacht auf die Milchstraße zu. Foto: © Robert Gendler und Josch Hambsch
Die beiden Magellanschen Wolken sind keine treuen Begleiter der Milchstraße, sondern haben unsere Galaxie erst vor astronomisch kurzer Zeit von wenigen Milliarden Jahren erreicht. Das haben neue Berechnungen von Astronomen um Gurtina Besla vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik im amerikanischen Cambridge ergeben. Bislang gingen Forscher davon aus, dass sich die beiden Zwerggalaxien schon sehr viel länger im Schwerefeld um die Milchstraße bewegten. Die Entdeckung wirft nicht nur neue Fragen zum Werdegang der beiden Wolken, sondern auch zur Struktur der Milchstraße auf.

Die Astronomen hatten bei Beobachtungen der beiden Magellanschen Wolken mit dem Hubble-Weltraumteleskop erkannt, dass die Geschwindigkeit der beiden Galaxien höher ist als bisher gedacht. Zwei Erklärungen kamen dafür infrage: Entweder ist die Milchstraße insgesamt schwerer als angenommen, oder die Magellanschen Wolken bewegen sich unabhängig vom Schwerefeld der Milchstraße. In letztem Fall wären sie erst spät als Begleiter zur Milchstraße gestoßen.

Diese Vermutung bestätigte eine Computersimulation, in der die Astronomen ihre Programme mit neuesten Daten zur Verteilung der Materie und der so genannten Dunklen Materie in und um die Milchstraße herum fütterten. Das Ergebnis: Die beiden Magellanschen Wolken befinden sich auf ihrem ersten Vorbeiflug an der Milchstraße. Geschwindigkeit und Flugbahn sprechen eindeutig dafür, berichten die Forscher. Allerdings kommen nun andere Erklärungen ins Wanken. So machten Astronomen die Magellanschen Wolken für bestimmte Verzerrungen in der Scheibenform der Milchstraße verantwortlich. Wenn beide Zwerggalaxien jedoch nur erst seit kurzem die Milchstraße begleiten, kann ihre Schwerkraft diese Verzerrungen nicht bewirkt haben.

Offen ist nun auch wieder die Frage, woher der langgezogene Wasserstoffschweif stammt, den die Magellanschen Wolken hinter sich her ziehen. Galt bisher die lange Zeit der Verbundenheit der Wolken mit der Milchstraße als gute Erklärung für dessen Entstehung, dürfte ein kurzes Rendezvous dafür nicht ausgereicht haben. Auch der weitere Kurs der Magellanschen Wolken ist für die Forscher noch offen, da die Bahndaten noch zu ungenau sind. Für die Große Magellansche Wolke bestehe die Chance, von der Milchstraße eingefangen und in eine Umlaufbahn gezwungen zu werden.

Beide Magellanschen Wolken sind als Begleitgalaxien der Milchstraße nur von der Südhalbkugel der Erde aus zu sehen. Die Große Magellansche Wolke ist rund 160.000 Lichtjahre entfernt und hat nur ein Zwanzigstel der Größe unserer Milchstraße. Die Kleine Magellansche Wolke ist 200.000 Lichtjahre weit weg und ist hundertmal kleiner als die Milchstraße.

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Mitteilung des Harvard-Smithsonian-Zentrum ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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