Warum ausgerechnet am 1. 1. 2000 - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Warum ausgerechnet am 1. 1. 2000

Unsere Kalender-Illusion. Es ist keineswegs „natürlich“, daß ein neues Jahrtausend mit drei Nullen beginnt, und auch nicht, daß am 1. Januar ein neues Jahr beginnt. Feiern wir die Jahrtausendwende zur falschen Zeit?

Zunächst zum Start. Für die Juden begann der Lauf der Zeit – und damit die Zählung der Jahre – mit der Erschaffung der Welt, die sie aus den historischen Berichten des Alten Testaments errechneten. Das Jahr 1997 ist im jüdischen Kalender das Jahr 5758. Für die Römer war die Geschichte erst seit der Gründung Roms erwähnenswert. Der Beginn ihrer Jahreszählung war nach unserer Rechnung das Jahr 753 v. Chr.

In fast allen Ländern der Erde gilt heute die Geburt Christi als Nullpunkt für das Datum, zum Beispiel das Jahr 1582 „n. Chr.“, eine Abkürzung für „nach Christi Geburt“.

Doch hier gibt es zwei Unstimmigkeiten: Erstens wurde nach modernen historischen und astronomischen Untersuchungen Jesus Christus einige Jahre vor „Christi Geburt“ geboren, zweitens ist dies kein Nullpunkt, da es kein Jahr Null gab. Die Begründung unserer Zeitrechnung wird dem Mönch Dionysius Exiguus zugeschrieben, der sich im 6. Jahrhundert Gedanken über die seit den biblischen Geschichten abgelaufene Zeit machte. Das Jahr, in dem Christus nach seinen Berechnungen geboren war, nannte er das Jahr 1. Zu seiner Zeit gab es noch keine Null als Zahl, sie wurde erst viele Jahrhunderte später eingeführt. So war eine Zeitskala entstanden, die jeweils bei „Zeitenwenden“ zu Irritationen führte: Wann genau beginnt ein neues Jahrhundert oder Jahrtausend?

Nun die zweite Frage zur „Jahrtausendwende“: Warum feiern wir den Jahreswechsel am 1. Januar? Dieses Datum ist auf keinerlei Weise ausgezeichnet in der Natur oder am Sternenhimmel. Astronomisch gäbe es viel markantere Daten, etwa den Frühlingsanfang, wenn also die Sonne von der Südhalbkugel der Erde auf die nördliche wechselt. Oder das „Perihel“, wenn die Erde bei ihrem Jahreslauf um die Sonne den sonnennächsten Punkt erreicht. 1997 war das am 2. Januar. Warum also ausgerechnet der 1. Januar?

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Die Wiege unseres Kalenders, also mit dem 1. Januar als Neujahrstag und allen Regeln über Schaltjahre, stand in Rom. Aus der Taufe hob ihn Julius Caesar. Er hat nicht nur Korrekturen angebracht, sondern auch radikal in den Ablauf der Zeit eingegriffen. Das Jahr seiner Reformation (46 v. Chr.) hat er auf 445 Tage verlängert. Er hatte zwar den Mond als Zeitgeber ignoriert, eine letzte Reverenz erwies er dem „Gestirn der Nacht“ aber doch: Den 1. Januar seines neuen Kalenders legte er auf einen Neumond. Damit rutschte der nächste Frühlingsanfang auf den 24. März. Der Julianische Kalender mit seinen 365 Tagen pro Jahr und einem zusätzlichen Schalttag alle vier Jahre war noch nicht perfekt, das Jahr war etwas zu lang geraten.

Der Julianische Kalender lief weiter bis ins 16. Jahrhundert, als Papst Gregor XIII. mit einem Beraterstab aus Mathematikern und Astronomen einen neuen Kalender durchsetzte. Dieser Gregorianische Kalender ist so genau, daß er noch 3300 Jahre weiterlaufen kann. Dann ist eine Korrektur mit einem einmaligen Schalttag nötig. So werden bereits in der Nacht, in der das Jahreszählwerk von 1999 auf 2000 springt, die Sektkorken knallen und Raketen in den Himmel steigen, um das neue Jahrtausend zu begrüßen.

Wolfram Knapp
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