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Astronomie|Physik Erde|Umwelt

Warum der Ätna wieder Feuer spuckt

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Wenn sich zwei Kontinente aneinander reiben, werden gewaltige Energien freigesetzt. Sehr nahe an der Nahtstelle zwischen Afrika und Europa befindet sich der Vulkan Ätna. „Der Ätna sitzt auf dem Rand der afrikanischen Platte auf“, sagt Professor Jörg Keller vom Institut für Mineralogie, Petrologie und Geochemie an der Universität Freiburg. Durch seine besondere geologische Umgebung kann flüssiges Magma an dieser Stelle leichter aufsteigen als an anderen Punkten der Region. So dient der Ätna, der auf einem so genannten „heißen Fleck“ sitzt, quasi als Ventil für die enormen Kräfte, die sich im Innern der Erde aufbauen.

In der der Region rund um den südlichen Teil des Tyrrhenischen Meeres taucht vor der Südostküste Kalabriens die ozeanische Platte unter den europäischen Kontinent ab. In dieser so genannten Subduktionszone schmilzt in großen Tiefen das abgesunkene Gestein auf und liefert so frisches Magma nach, das durch die Vulkanschlote an die Erdoberfläche gedrückt wird. Ist dieser der Mechanismus die Grundlage für die Aktivität der nahe Vulkaninseln Stromboli und Vulcano, nimmt der Ätna eine Sonderstellung ein. „Man nimmt an, dass das flüssige Mantel-Material seitlich von der Ionischen Platte her einfließt“, so Professor Torsten Dahm, Geophysiker an der Universität Hamburg. „Ursprünglich stammt das Magma aus großen Tiefen von mindestens 100 Kilometern“, meint Keller. Doch die aktuellen Lavaströme speisen sich aus Material, dass sich deutlich näher unter der Oberfläche befände.

Nach dem letzten größere Ausbruch des Ätna in den Jahren 1991 bis 1993 hat sich nun der Magmadruck so stark erhöht, dass es seit Anfang Juni zu Tausenden kleiner Beben in der Region gekommen ist. Bis jetzt haben sich fünf Spalte an der Südost- und Südflanke des Berges aufgetan, durch die die Lava relativ langsam ausfließt. Bisher schätzen die Experten die Menge auf etwa zehn Millionen Kubikmeter. Jede Sekunde fließen zur Zeit etwa 30 Kubikmeter nach.

Parallel dazu kommt es in den Kraterbereichen des Berges zu Explosionen, bei denen Lavabomben bis in mehrere hundert Meter Höhe geschleudert werden. Verursacht werden diese von großen, in der Magmasäule aufsteigenden Blasen, die im oberflächennahen Bereich des Schlotes platzen und glühende Lavafetzen mit sich reißen. Diese Art von Explosionen tritt in schwächerer Form seit Jahrhunderten bei dem benachbarten Vulkan Stromboli auf, weshalb sie auch der Strombolianische Eruptionen genannt werden.

Überraschend kam der aktuelle Ausbruch für die Vulkanologen und auch viele Einheimische nicht. Die vielen kleinen Beben seit Anfang Juni und die verstärkte Aktivität in den letzten Jahren deuteten bereits auf ein solches Ereignis hin. „Die beiden wichtigsten Methoden für eine Vorhersage sind seismische Messungen und die Beobachtung von Deformationen“, erklärt Keller. So seien von vielen Geowissenschaftlern die Bodenbewegungen und –verschiebungen oder Niveauänderungen rund um den Ätna genau beobachtet worden. Ergänzt werden diese Vorläufer-Signale für einen Vulkanausbruch durch die Analyse der austretenden Gase im Vulkangebiet. Auch Änderungen der Bodenthermik oder des lokalen Magnetfeldes geben Hinweise auf einen Vulkanausbruch. Sogar die minimale Veränderungen der Schwerkraft in diesen Regionen nutzen die Wissenschaftler.

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„Für die Dauer dieses Ausbruches ist eine Prognose jedoch sehr schwierig“, sagt Keller. Ursache dafür sei, dass sich dieser Ausbruch deutlich von dem bekannten Muster der früheren Ereignisse unterscheide. „Die Magmaproduktion ist diesmal sehr stark“, meint der Vulkanexperte. Der letzte größere Ausbruch zog sich vom 4. Dezember 1991 bis zum 31. März 1993 hin. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnte auch der jetzige Ausbruch zumindest einige Wochen andauern.

Ätna-Bilder finden Sie hier.

Jan Oliver Löfken
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