Was taugt der Wetterbericht - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Astronomie+Physik Erde+Klima

Was taugt der Wetterbericht

Der Kampf gegen das Chaos in der Atmosphäre. Beim Wetter beweist die Natur täglich aufs Neue, wie ungern sie sich in die Karten schauen läßt. Jeden Fortschritt in der Vorhersage von Sturm, Regen und Sonnenschein müssen die Meteorologen mit einem immensen Aufwand erkaufen. Die perfekte Wetterprognose wird es vermutlich niemals geben

Eine perfekte Wettervorhersage halte ich in absehbarer Zeit für ausgeschlossen“, meint Prof. Horst Malberg vom Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Der Grund: Die Atmosphäre steht mitunter „auf der Kippe“ zwischen verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten. Schon der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings oder eine einzelne Wolke kann in diesem Fall darüber entscheiden, wie sich das Wetter weiter entwickeln wird. Der amerikanische Meteorologe Edward Lorenz hat dies schon in den sechziger Jahren erkannt – und daraus die Chaostheorie entwickelt.

Zumindest für einige Tage im voraus meinen die Meteorologen den Wechsel von Hoch- und Tiefdruckgebieten, Regenfronten und Schönwetterperioden aber recht gut „im Griff“ zu haben. Die Trefferquote der Vorhersagen für den nächsten Tag liege im Schnitt bei „weit über 90 Prozent“, verlautet vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Detaillierte Angaben darüber, wie sich diese Prozentzahl im Verlauf der vergangenen Monate, Jahre und Jahrzehnte verändert hat, sind den Offenbachern jedoch nicht zu entlocken. „Man kann Vorhersagen, wie sie vor einigen Jahren gemacht wurden, nicht mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden vergleichen“, gibt Pressesprecher Meinhard Giebel zu bedenken. Die Zahlen wären daher „irreführend“.

Der Berliner Meteorologie-Professor Horst Malberg und seine Mitarbeiter haben bis Ende 1991 mehr als 20 Jahre lang täglich selbst eine Wetterprognose für die Stadt an der Spree erstellt. Sie nutzten dazu Daten, die vom Deutschen Wetterdienst geliefert wurden – und bewerteten die Qualität ihrer Prognosen für Niederschlag, Temperatur, Bewölkung und Windstärke anhand einer Skala von 0 bis 100 Prozentpunkten.

Das Ergebnis: Zwischen 1971 und 1991 hat sich die Trefferquote von ein- bis zweitägigen Vorhersagen kaum verbessert. Sie kletterte auf der Skala der Berliner Wetterforscher von knapp 84 auf etwa 86 Prozent. „Dies zeigt, wie mühsam der Atmosphäre trotz aller technisch-wissenschaftlichen Fortschritte jeder einzelne Prozentpunkt abgerungen werden muß“, sagt Malberg. Den heute vom Deutschen Wetterdienst offiziell genannten Wert von durchschnittlich weit über 90 Prozent hält er deshalb für unrealistisch hoch.

Anzeige

Der Hamburger Meteorologe Klaus Fraedrich, der sich seit vielen Jahren mit Vorhersagemodellen beschäftigt, sieht vor allem in einer Kombination der klassischen Rechenmodelle mit neuartigen Methoden – wie Neuronalen Netzen – eine Möglichkeit, die Prognosen zu verbessern. Als erfolgversprechend gelten unter anderem Ensemblevorhersagen. „Das Ziel dieser Methode ist es, den Fehler, der in jeder Vorhersage steckt, herauszufinden und anzugeben“, erklärt Fraedrich. Der Computer berechnet dazu statt einer einzigen Prognose eine Vielzahl von Prognosen mit jeweils geringfügig veränderten Anfangswerten. Das Resultat sind beispielsweise Angaben, mit welcher Wahrscheinlichkeit es an einem bestimten Ort und Tag regnet oder stürmt. Dies gibt den Meteorologen und Nutzern wertvolle Hinweise auf die Verläßlichkeit der Prognosen an die Hand. Langfristige Prognosen für Monate oder gar ganze Jahreszeiten stehen auf der Wunschliste vieler Wetterforscher ganz oben.

In Australien und Nordamerika werden zum Teil schon seit vielen Jahren Witterungsprognosen für mehrere Monate veröffentlicht. Die dortigen Meteorologen können dabei auf einen mächtigen Verbündeten setzen: El Niño, der im Rhythmus von einigen Jahren für außergewöhnlich hohe Oberflächentemperaturen im tropischen Pazifik sorgt. Er beeinflußt die Witterung in der Region um den Pazifischen Ozean sehr stark – und erleichtert so Langfristprognosen.

===Ralf Butscher
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ze|ni|tal|reg|en  〈m. 4; Geogr.〉 starker tropischer Regen, der nach dem (halb)jährlichen Sonnenhöchststand beginnt od. seine größte Intensität erreicht [→ Zenit ... mehr

Hohl|wel|le  〈f. 19; Tech.〉 rohrartig ausgehöhlte Welle

Ah|ming  〈f. 7; Mar.〉 Skala der Tiefgangmarken eines Schiffes

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige