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Wasser für die Maya

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Einer der von Maya erbauten Kanäle. Foto: University of Cincinnati researchers
Die antike Maya-Stadt Tikal versorgte ihre über 60.000 Einwohner mit Hilfe eines riesigen Damms auch in Trockenzeiten mit Wasser. Die Technik hierbei war extrem fortschrittlich: Das Wasser wurde aufwendig gefiltert und aufgestaut. Zum ersten Mal seit 40 Jahren wurde es amerikanischen Wissenschaftlern erlaubt, im Weltkulturerbe Tikal neue Ausgrabungen zu machen und sich bereits bekannte Monumente und Bauwerke näher anzuschauen.

Im Tiefland um die antike Stadt Tikal lebten im Jahr 700 n.Chr. etwa fünf Millionen Menschen. ?Das sind viel mehr, als von der heutigen Umwelt versorgt werden können?, sagt Vernon Scarborough, Professor für Anthropologie an der University of Cincinnati. ?Also haben die Maya es geschafft, eine große, hochkomplexe Gesellschaft für über 1.500 Jahre in einem tropischen Ökosystem zu unterhalten. Sie benötigten viele Ressourcen, aber sie hatten nur steinzeitliche Werkzeuge und Technologien, um ein hochentwickeltes, lange andauerndes Verwaltungssystem zu schaffen.? Um zu erklären, wie die Maya dies vollbrachten, haben sich Wissenschaftler verschiedener amerikanischer Universitäten jetzt mehrere Ausgrabungen der im heutigen Guatemala gelegenen antiken Stadt Tikal noch einmal genauer angeschaut und ausgewertet.

Demnach gab es in der Maya-Region relativ häufig lange Dürrezeiten und unregelmäßige Regenfälle. Um damit umzugehen, war es wichtig, Regenwasser einzufangen und zu sammeln. Darauf war auch die gesamte Stadt Tikal ausgerichtet: Der Marktplatz, Innenhöfe und Kanäle waren leicht schräg gebaut, um Regenwasser in große Tanks zu leiten. Gleichzeitig konnten die Kanäle auch sommerliche Wasserfluten unter Kontrolle bringen. Um das Wasser zu speichern, legten die Maya mehrere Stauseen an, von denen der größte vom nun entdeckten Palastdamm begrenzt wurde. Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Damm über eine Länge von 80 Metern erstreckte und dabei half, etwa 75 Millionen Liter Wasser zu stauen. In der Mayaregion war er der größte Damm seiner Zeit, in Mesoamerika wurde er damals nur übertroffen durch den mexikanischen Purron-Damm.

Um eine hohe Wasserqualität zu gewährleisten, leiteten die Maya-Ingenieure das kostbare Nass zum Filtern durch Sandboxen. Diese waren mit Quarzsand gefüllt, der erst aus 30 Kilometer entfernten Gruben herangeschafft werden musste. ?Das zeigt, wie sehr sie Wasser und Wasserwirtschaft schätzten?, sagt Nicholas Dunning, Professor für Geografie und Mitautor der Studie.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Maya in diesem Gebiet ohne die technisch fortschrittlichen Speichermethoden nicht dauerhaft hätten bleiben können. Der an der Studie beteiligte Paläoethnobotaniker David Lentz sagt, dass die Wasserspeicherung auch Einfluss auf das Vorhandensein von Nahrung, Brennstoff, medizinischen Pflanzen und anderen notwendigen Ressourcen hatte. ?Die Wasserwirtschaft der Maya beinhaltete auch Bodenbewässerung, was beeinflusste, wie viele Menschen ernährt werden konnte. Am Anfang des 9. Jahrhunderts allerdings verkleinerten sich die Wasservorräte wegen Dürren. Das brachte die Reserven und damit das gesellschaftliche Gefüge in Bedrängnis. Diese Entwicklung kann gut der Grund dafür sein, dass die Stadt verlassen wurde.?

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Vernon Scarborough (University of Cincinnati) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.1202881109 © wissenschaft.de ? Sabine Kurz
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