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Wasserbüffel im Kleinformat

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Der neu entdeckte Büffel Bubalus cebuensis war sehr viel kleiner als seine heute lebenden Verwandten, der Tamarau und der Wasserbüffel. Zeichnung: Velizar Simeonovski/Field Museum, Chicago
Bis vor etwa 10.000 Jahren lebte auf der philippinischen Insel Cebu ein bisher unbekannter Zwergwasserbüffel, der nicht größer war als ein Bernhardiner. Das haben amerikanische und philippinische Paläontologen entdeckt, als sie ein bereits vor fast 50 Jahren entdecktes Teilskelett untersuchten. Der kleine Büffel, den die Wissenschaftler nach seinem Fundort Bubalus cebuensis tauften, gehörte demnach zur Gattung der Asiatischen Büffel und hatte für seine geringe Größe ungewöhnlich große Zähne und Füße. Mit einem geschätzten Gewicht von 160 Kilogramm und einer Schulterhöhe von nicht einmal 80 Zentimetern war er im Vergleich zu seinen heute lebenden Verwandten, die es auf über 900 Kilogramm und mehr als 1,80 Meter Höhe bringen, ein echter Winzling.

Von dem Mini-Büffel sind heute nur noch zwei Zähne, zwei Wirbel, zwei Vorderbeinknochen, ein Fußknochen und zwei Hufknochen erhalten. Entdeckt hatte sie ein Bergbauingenieur in einem Tunnel auf der philippinischen Insel Cebu, als er nach phosphathaltigen Mineralien grub. Erst sehr viel später, nachdem die Knochen dem Field-Museum in Chicago übergeben worden waren, wurde jedoch klar, dass es sich um Überreste einer bislang unbekannten Büffelart handelte. Das genaue Alter der Knochen konnten die Forscher bislang zwar nicht bestimmen, sie vermuten jedoch, dass der kleine Büffel fast 100.000 Jahre lang auf der Insel lebte und frühestens vor 10.000 Jahren ausstarb.

Wie viele andere Tiere, die isoliert auf Inseln leben, hat sich nach Ansicht der Forscher wohl auch B. cebuensis aus einem sehr viel größeren Vorfahren entwickelt. Da es in seinem Lebensraum jedoch keine Feinde gab, war eine imposante Größe nicht mehr notwendig, und aufgrund der begrenzten Nahrungsvorräte auf der kleinen Insel hatte der Zwergenwuchs wahrscheinlich sogar Vorteile für die Tiere, erklären die Wissenschaftler. Ein ähnliches Phänomen findet sich auch bei einem heute noch lebenden Verwandten des Zwergbüffels, dem ebenfalls nur auf einer einzigen philippinischen Insel vorkommenden Tamarau. Er ist mit knapp einem Meter Schulterhöhe und bis zu 300 Kilogramm Gewicht zwar größer als B. cebuensis, aber immer noch deutlich kleiner als der Wasserbüffel.

Die Entdeckung des Mini-Büffels könnte nach Ansicht der Forscher helfen, das Entstehen solcher ungewöhnlich kleinen Tierarten in isolierten Lebensräumen besser zu verstehen. Das sei unter anderem wichtig für die Debatte um den potenziellen Zwergmenschen Homo floresiensis, auch Hobbit genannt, der im Jahr 2003 auf der indonesischen Insel Flores entdeckt worden war. Immerhin zeige der kleine Büffel, dass sich Zwergformen in der Isolation einer Insel sehr schnell bilden können, so die Wissenschaftler.

Darin Croft (Case Western Reserve University, Cleveland) et al.: Journal of Mammalogy, Bd. 87, S. 1037 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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