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Weder Fisch noch Fleisch

Amerikanische Forscher haben im Norden Kanadas Fossilien eines Fisches entdeckt, der bereits teilweise den Übergang zum Landtier vollzogen hatte: Das Tier namens Tiktaalik roseae lebte vor etwa 383 bis 375 Millionen Jahren in den flachen Ufergewässern von Flüssen und besitzt sowohl Kennzeichen eines Fisches als auch Charakteristika eines vierbeinigen Landwirbeltiers. So ähneln sein Schädel, sein Hals, seine Rippen und seine vorderen Gliedmaßen bereits stark denen von Landtieren, während es gleichzeitig Flossen, Schuppen und die primitiven Kiefer eines Fisches aufweist. Damit schließt Tiktaalik zumindest teilweise die Lücke, die in der Reihe der bislang entdeckten Fossilien von Übergangstieren klaffte.

Die extrem gut erhaltenen Fossilien stammen von der Ellesmere-Insel, die zum kanadischen Nunavut-Territorium gehört. Ihr wissenschaftlicher Name „Tiktaalik“ ist der Sprache der Inuit-Einwohner der Insel entlehnt und bedeutet „großer Flachwasserfisch“. Das Raubtier besaß scharfe Zähne, einen krokodilähnlichen Kopf und einen flachen Körper, der bei den bislang entdeckten Fossilien 1,2 bis 2,7 Meter lang war. Zu der Zeit, als Tiktaalik lebte, war das Klima der heute arktischen Insel subtropisch, und das Gebiet wurde von einer Reihe flacher Flussläufe durchzogen.

Sein Körperbau legt nach Ansicht von Edward Daeschler und seinem Team nahe, dass das Tier auf dem Grund dieser flachen Gewässer gelebt hat. Hin und wieder könnte es das Wasser sogar verlassen und eine kurze Zeit an Land verbracht haben, glauben die Forscher. Ihren Berechnungen zufolge war das Skelett des Tieres nämlich stark genug, um dessen Gewicht auch ohne den Auftrieb des Wassers zu tragen. Bemerkenswert seien dabei besonders die Brustflossen von Tiktaalik: Obwohl sie noch keine Finger aufweisen, enthalten sie bereits alle Knochen, die auch in den Vordergliedmaßen von Vierfüßern zu finden sind ? Oberarmknochen, Unterarmknochen und sogar Teile der späteren Handknochen. Selbst die Gelenke seien bereits funktionsfähig gewesen, schreiben die Wissenschaftler.

Damit ist Tiktaalik eindeutig eine Übergangsform, die zwischen dem noch deutlich fischartigeren Panderichthys und dem bereits auf dem Land lebenden Ichtyostega einzuordnen sei, so die Forscher. „Wir wussten, dass die Felsen auf der Ellesmere-Insel einen Blick in die richtige zeitliche Periode erlauben würden und dass sie sich in der richtigen Art von Umgebung gebildet haben, um Fossilien zu beherbergen, die den wichtigen evolutionären Übergang vom Leben im Wasser zum Leben an Land dokumentieren“, erklärt Studienleiter Daeschler. Er und seine Kollegen hoffen nun, in den Sedimenten der Insel noch weitere Fossilien zu finden, mit denen die immer noch verbleibende Lücke vollständig geschlossen werden kann.

Edward Daeschler ( Akademie für Naturwissenschaften, Philadelphia) et al.: Nature, Bd. 440, S. 757 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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