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Astronomie+Physik Erde+Klima

Wenn das Eis bebt

Das erdbebenreichste Gebiet der Welt dürfte die Westantarktis sein: Zweimal täglich bebt dort der Whillans-Eisstrom, ein hundert Kilometer breiter, 2,5 Kilometer dicker Gletscher, berichten Douglas Wiens und Mathew King. Die Energie, die bei dem Eisbeben freigesetzt wird, entspricht einem Erdbeben der Stärke 7. Während solche Erdstöße allerdings nur wenige Sekunden dauern, braucht das Eis für seinen Vorstoß von 20 bis 50 Zentimetern gut 20 Minuten.

Die Forscher registrierten die merkwürdigen Eisbeben erstmals 2003. Die Erschütterungen, stellten sie fest, sind selbst in Australien noch messbar. Damals konnten sie den seismischen Wellen, die regelmäßig alle zwölf Stunden auftauchten, aber zunächst keine genaue Ursache zuordnen. Mit 43 GPS-Empfängern, die sie auf dem Eisstrom positionierten, konnten sie das Rätsel schließlich lösen: „Die GPS-Messungen zeigen uns, wie der Eisstrom sich bewegt“, berichtet Wiens, „das Gleiten beginnt immer am gleichen Punkt und setzt sich von da aus weiter fort.“

Wiens und King stellten fest, dass der Startpunkt des Gleitens ein etwas erhöhter Eisrücken war, wo sich vermutlich auch am Gletscherboden eine Erhebung befindet ? also ein Hindernis, an dem das Eis festhakt.

Die Bewegung des Eisstroms, der in das schwimmende Ross-Eisschelf mündet, wird vermutlich durch die Gezeiten gesteuert: Der Eisstrom, der aus dem Inneren des Kontinents Richtung Küste fließt, steckt normalerweise auf seinem Bett fest. Bei Flut hebt sich die schwimmende Eiszunge, wodurch sich der Druck des Gletschers auf den Boden verringert. Immer dann, wenn der Druck am geringsten ist, beginnt das Eis zu fließen.

Menschliche Beobachter würden die Eisbeben allerdings nicht bemerken. Mattthew King berichtet im Wissenschaftsmagazin New Scientist: „Man hat keinen visuellen Bezugspunkt für die Bewegung, also kann das Auge sie nicht wahrnehmen. Weil das Beben so langsam abläuft, merkt der Körper auch nichts.“

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Douglas Wiens (Washington University, St Louis) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, (DOI: 10.1038/nature06990) Ute Kehse
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