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Astronomie+Physik Erde+Klima

Wie aus Fischen Landbewohner wurden

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Aus dem Schädelfossil (unten) leiteten die Forscher ab, wie Ventastega ausgesehen haben könnte. Bild: Philip Renne und Per Ahlberg
Aus einer Reihe besonders gut erhaltener Fossilien haben Forscher um Per Ahlberg den Schädel des primitivsten bislang bekannten Landwirbeltiers rekonstruiert. Ventastega curonica sah demnach aus wie eine Riesenkaulquappe mit Krokodilschädel. Einen Meter war der primitive Vierbeiner etwa lang, besaß vermutlich kurze Stummelbeine und eine Rückenflosse, berichten die Forscher.

Ahlberg und seine Kollegen schreiben, dass das Tier eine Lücke zwischen den am weitesten entwickelten Fischen und den einfachsten Vierbeinern (Tetrapoden) schließt. Nun können Paläontologen besser verstehen, wie die komplizierte Transformation von Fischen zu Landlebewesen ablief. Ventastega war demnach fischähnlicher als alle anderen gleichzeitig lebenden Tetrapoden. Die Schädelform und die Anordnung der Zähne des vor 365 Millionen Jahren lebenden Sumpfbewohners bilden genau den Übergang zwischen dem am weitesten entwickelten Fisch Tiktaalik und dem einfachsten bislang bekannten Tetrapoden, einem Tier namens Acanthostega.

Typische Vierbeiner-Merkmale von Ventastega waren zum Beispiel verhältnismäßig große Augenhöhlen und eine lange, schaufelförmige Schnauze. Unterkiefer und Eckzähne waren dagegen noch ähnlich geformt wie bei den fischartigen Vorfahren der Landbewohner.

Außer den Schädelknochen fanden Ahlberg und seine Kollegen auch Teile des Schultergürtels und der Hüfte. Diese Knochen ähnelten denen des Tetrapoden Acanthostega, nicht aber denen des Fisches Tiktaalik. Die Forscher schließen daraus, dass Ventastega den Übergang von Flossen zu Beinen bereits vollzogen hatte und zumindest kleine Stummelfüße besaß, mit denen er sich an Land fortbewegen konnte. „Anscheinend haben sich verschiedene Körperteile beim Übergang vom Wasser zum Land unterschiedlich schnell entwickelt“, schließt Ahlberg.

Er und seine Kollegen vermuten, dass Ventastega kein Vorfahr von Amphibien, Reptilien und Säugetieren ist. Das Tier lebte relativ spät im Erdzeitalter Devon. Andere, weiter entwickelte Vierbeiner bevölkerten die Sümpfe des Devons bereits deutlich früher. „Unter den ersten Vierbeinern herrschte offenbar eine beträchtliche Formenvielfalt“, schreiben die Forscher. Ob Ventastega ein fehlendes Bindeglied zwischen Fischen und Landwirbeltieren sei oder ein toter Ast der Evolution, müsse sich noch zeigen.

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Per Ahlberg (Universität von Uppsala, Schweden) et al.: Nature, Bd. 453, S. 1199 Ute Kehse
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