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Astronomie+Physik Erde+Klima

Wie die Wale lernten, unter Wasser zu hören

Neue Fossilien vorzeitlicher Urwale zeigen, wie sich deren Ohren allmählich an das Wasser anpassten. Forscher um Hans Thewissen von der Northeastern Ohio University berichten im Fachblatt Nature (Bd. 430, S. 776), dass Übergangsformen weder in der Luft noch im Wasser besonders gut hören konnten.

Vor etwa 50 Millionen Jahren lebte in Pakistan der Urwal Pakicetus, ein Landsäugetier, das einem Hund ähnelte, aber mit den Vorfahren der Paarhufer (z.B. Kühe) verwandt war. Das Ohr von Pakicetus war noch ähnlich wie bei anderen Säugetieren aufgebaut und an die Schallübertragung in der Luft angepasst: Die Tiere besaßen eine Ohrmuschel, von der aus der Schall auf das Trommelfell übertragen wurde. Von dort leiteten die Gehörknöchelchen die Schwingungen weiter und übertrugen sie auf das mit Flüssigkeit gefüllte Innenohr.

Wie man im Schwimmbad oder in der Badewanne ausprobieren kann, funktioniert dieses System im Wasser nicht besonders gut, weil sich das Außenohr mit Wasser füllt. Dabei entsteht ein Druckunterschied zwischen Außen- und Mittelohr, der das Trommelfell daran hindert, die Schallschwingungen weiterzuleiten. Thewissen und Kollegen konnten jetzt anhand neu entdeckter Fossilien zeigen, dass Pakicetus schon begonnen hatte, das Gehör an die Verhältnisse unter Wasser anzupassen. Die Tiere konnten Schallwallen aus dem Wasser über die Schädelknochen wahrnehmen, berichten die Forscher.

Urwale, die etwas später, vor 46 bis vor 43 Millionen Jahren lebten, hatten ihr Gehör schon besser an das Wasser angepasst, konnten aber auch noch in der Luft hören. Beide Gehörsysteme waren allerdings nicht besonders leistungsfähig, berichten die Forscher. Die versteinerten Gehörknochen zeigen, dass die Urwale in der Luft vor allem tiefe Frequenzen wahrnehmen konnten. Erst der Urwal Basilosaurus, der vor 35 bis 40 Millionen Jahren lebte und sein ganzes Leben im Wasser verbrachte, verlor den Gehörsinn in der Luft und nahm nur noch Schall unter Wasser wahr. Sein Gehör gleicht damit dem moderner Zahnwale. Allerdings waren Basilosaurier noch nicht in der Lage, ihre Beute über Echo-Ortung aufzuspüren.

Ute Kehse
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Dra|ma|tur|gie  〈f. 19; unz.; Theat.〉 1 Wissenschaft vom Drama u. seiner Gestaltung auf der Bühne, Schauspielkunde 2 Tätigkeit des Dramaturgen ... mehr

♦ in|stru|men|tie|ren  〈V. t.; hat; Mus.〉 eine Komposition ~ vom Entwurf einer Komposition die Stimmen sinnvoll auf die Orchesterinstrumente verteilen

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