Wie Island den Nil trockenlegte - wissenschaft.de
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Wie Island den Nil trockenlegte

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Laki im Jahr 1783 hatte Auswirkungen bis ins weit entfernte Ägypten: Als klimatische Folge der Eruption nahmen die Pegelstände des Nils Tiefstwerte an. In der daraus resultierenden Hungersnot starben rund 17 Prozent der Bevölkerung im Einzugsbereich des Flusses. Diesen Zusammenhang von Vulkanausbruch im hohen Norden und der Dürre in Afrika haben britische und amerikanische Forscher um Luke Oman von der Rutgers-Universität in New Brunswick nun erstmals in Klimamodellen gezeigt. Die Forscher hoffen, aus diesen Simulationen Vorhersagen der klimatischen Folgen anderer Vulkanausbrüche ableiten zu können. Damit könnten Regierungen rechtzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen.

Die Forscher simulierten in ihrem Klimamodell den Laki-Ausbruch
aus dem Jahr 1783. Zwischen Juni 1783 und 1784 warf der Vulkan eine Menge von etwa 12 Kubikkilometern Lava aus. Rund 100 Millionen Tonnen Schwefeldioxid und andere Gase gelangten in die Atmosphäre. Mit Wasserdampf formen diese Gase kleinste Partikel, so genannte Aerosole, die das Sonnenlicht in den Weltraum reflektieren. Die Simulation ergab für diesen Prozess eine Abkühlung der Nordhalbkugel von ein bis drei Grad Celsius. Das stimmt gut überein mit Messungen an Jahresringen von Bäumen aus dieser Zeit, berichten die Forscher.

Überrascht waren die Forscher davon, dass in ihrem Modell die Abkühlung der Nordhemisphäre die Monsunwinde etwa im Indischen Ozean beeinflusste. Diese transportieren Wasserdampf von den Ozeanen übers Land, wo die feuchte Luft abregnet. Antriebskraft für die Monsunwinde ist die Temperaturdifferenz zwischen den Landmassen und dem Wasser der Ozeane. Da diese Differenz durch die Abkühlung des eurasischen Kontinents im Norden kleiner wurde, schwächten sich auch die regenbringenden Monsunwinde ab und im Einzugsbereich des Nils fiel weniger Regen.

Andere Wissenschaftler hatten in früheren Studien bereits gezeigt, wie sich Vulkanausbrüche in den Tropen auf die Nordhemisphäre auswirken: Sie führen zu wärmeren Wintern. Oman und seine Kollegen wollen die vorliegenden Ergebnisse nun nutzen, um ein Vorhersagemodell für die klimatischen Folgen von Naturereignissen auf entfernte Regionen zu entwickeln. Die Berechnung einer Vorhersage dauert mit heutigen Klimamodellen mehrere Wochen, berichtet Oman.

Luke Oman (Rutgers-Universität, New Brunswick) et al.: Geophysical Research Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1029/2006GL027665 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer
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