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Wie Tokio die sommerliche Hitze bekämpfen will

In Tokio soll Sickerwasser aus den U-Bahn-Schächten helfen, die aufgeheizten Straßen im Sommer zu kühlen. Dazu wird das Wasser aus den Schächten hoch gepumpt und mit Hochdrucksprinkleranlagen auf die Straßen gesprüht. Auf einer Teststrecke im Zentrum der japanischen Hauptstadt gelang es den Entwicklern bereits, die Temperatur der mehr als sechzig Grad Celsius heißen Oberfläche um zehn Grad zu senken. Damit sank die Lufttemperatur im Testareal um immerhin ein Grad.

In Städten, besonders in den Zentren der Großstädte, liegen die Temperaturen im Sommer meist deutlich höher als in der Umgebung. Schuld daran ist der so genannte „Urban Heat Island Effect“: Das Verschwinden von Grünflächen, hohes Verkehrsaufkommen und besonders die intensive Nutzung von Klimaanlagen, die sehr viel Wärme nach außen abgeben, heizen die Innenstädte auf. In Tokio stieg beispielsweise die Durchschnittstemperatur während der vergangenen 100 Jahre um 3 Grad an. Die Folge sind immer wärmere Sommer, in denen Temperaturen von über 40 Grad Celsius keine Seltenheit sind, berichtet der „New Scientist“.

Mit dem neuen Ansatz wollen die Japaner zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sie werden einerseits das störende Sickerwasser los, das immer wieder in die U-Bahn-Schächte tropft, und haben andererseits ein nahezu kostenloses Kühlmittel zur Verfügung. An der etwa 350 Meter langen Teststrecke direkt bei den Parlamentsgebäuden haben die Entwickler eine Pumpe installiert, die ihre Energie aus Sonnen- und Windkraft bezieht. Sie speist das an den Bordsteinen angebrachte Sprinklersystem. Ein spezieller Straßenbelag sorgt außerdem dafür, dass das Wasser nicht direkt wieder versickert, sondern auf der Oberfläche bleibt, bis es verdampft ist.

Weitere Maßnahmen gegen die Hitzewellen sind laut „New Scientist“ ebenfalls geplant. So soll eine Initiative namens „Cool Biz“ die Geschäftsleute dazu bringen, Anzug und Krawatte gegen sommerlichere Kleidung zu tauschen und im Gegenzug die Klimaanlage herunter zu drehen. Außerdem sollen begrünte Dächer bei allen neuen Hochhäusern helfen, die Erwärmung zu stoppen.

New Scientist (13. August, Seite 30)

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