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Astronomie|Physik

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Das rötliche Material im Krater Tyagaraja stammt wahrscheinlich von einer vulkanischen Glutwolke. Die hellen bläulichen Bereiche deuten auf eine hohe Dichte von "Hollows" - rätselhaften Vertiefungen. (c) Science/AAAS
Merkur, der innerste Planet des Sonnensystems, besteht aus dem gleichen Material wie die anderen drei Gesteinsplaneten Erde, Mars und Venus. Eine Geburt im Feuer, wie sie viele Planetenforscher bislang für wahrscheinlich gehalten hatten, scheidet nach den ersten Beobachtungen der Raumsonde Messenger aus. Das Messenger-Team berichtet in insgesamt sieben Artikeln in der Zeitschrift Science über die Erkenntnisse aus den ersten sechs Monaten der Mission. Der kleine Planet gibt den Forschern weiterhin Rätsel auf: ?Merkur ist nicht der Planet, der in den Lehrbüchern beschrieben wird?, sagt Chefwissenschaftler Sean Solomon. ?Er hatte eine wesentlich aufregendere Vergangenheit als irgendjemand angenommen hat.?

Messenger ist im März 2011 in eine Umlaufbahn um Merkur eingeschwenkt ? als erste Raumsonde überhaupt. Die ersten sechs Monate der Mission haben bereits reiche Früchte getragen, berichtet das Forscherteam. So zeigen die Aufnahmen gewaltige Ebenen aus erkalteter Lava. Vor Messengers Ankunft war nicht klar gewesen, ob es auf Merkur jemals Vulkanismus gegeben hatte. Die neuen Daten belegen, dass sich vor etwa 3,8 Milliarden Jahren riesige Spalten öffneten, aus denen sich Lavaströme auf die Oberfläche ergossen. Mehr als einen Kilometer tiefe Krater wurden dabei überflutet. Eine solche Vulkanebene in der Nordpolregion bedeckt sechs Prozent der Planetenfläche. Was den Vulkanismus verursacht hat, wissen die Forscher aber nicht.

Auch heute scheint Merkur noch geologisch aktiv zu sein. Das zeigen unregelmäßig geformte, helle Vertiefungen innerhalb vieler Krater. Die Forscher nannten sie ?Hollows? (auf Deutsch etwa ?Kuhlen? oder ?Mulden?). ?Eine Analyse der Bilder zeigt, dass sich die Hollows heute noch aktiv bilden?, sagt David Blewett von der Johns Hopkins University. Er und seine Kollegen vermuten, dass durch Meteoriteneinschläge Material an die Oberfläche von Merkur gelangt, das dort nicht stabil ist. Durch die Hitze der Sonne oder das Teilchenbombardement des Sonnenwindes könnten sich bestimmte Stoffe auflösen. Das würde die Vertiefungen erklären.

Planetenforscher hatten den von Kratern übersäten Merkur bislang oft mit dem Mond verglichen. ?Messenger zeigt uns aber, dass Merkur sich bei allem, was wir messen können, radikal vom Mond unterscheidet?, sagt Blewett. Überraschenderweise registrierte Messenger auf der Oberfläche von Merkur einen hohen Anteil von leichtflüchtigen Elementen, die schon bei geringen Temperaturen verdampfen, wie etwa Schwefel oder Kalium. Das zeigt, dass bei Merkurs Geburt keine hohen Temperaturen geherrscht haben können. Weil der kleine Planet einen ungewöhnlich großen Eisenkern hat, hatten Planetenforscher bislang angenommen, dass er durch eine gewaltige Kollision oder einen Ausbruch der Sonne regelrecht durchgeglüht wurde ? wobei alle leichtflüchtigen Elemente verschwanden.

?Die Theoretiker müssen mit jetzt noch mal ganz von vorne damit anfangen, sich über Merkurs Entstehung Gedanken zu machen?, sagt Larry Nittler, einer der Autoren. ?Was wir auf der Oberfläche gemessen haben passt nicht zu früheren Ideen über die Chemie des Planeten.? Der hohe Anteil an Schwefel deutet darauf hin, dass Merkur sich nicht unter oxidierenden Bedingungen zusammenballte, wie es die anderen drei Gesteinsplaneten taten. Woher der große Eisenkern stammt, bleibt weiterhin rätselhaft.

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Larry Nittler (Carnegie Institution of Washington) et al.: Science Bd. 333, S. 1847, S. 1850, S. 1853, S. 1856, S. 1859 wissenschaft.de – Ute Kehse
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