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Astronomie+Physik

Woher kam der Radioblitz?

Amerikanische Astronomen haben ein merkwürdiges kosmisches Phänomen entdeckt. In den Aufzeichnungen des australischen Parkes-Radioteleskops stieß der Student David Narkevic von der West Virginia University auf einen Radioblitz ? einen Ausbruch, der nur fünf tausendstel Sekunden dauerte, aber so viel Energie freisetzte, wie die Sonne in einem Monat produziert. Über mögliche Ursachen können der Entdecker und seine Betreuer nur spekulieren: Die Verschmelzung von zwei Neutronensternen oder ein verdampfendes Schwarzes Loch könnten die Ursache für den Blitz sein, schreibt das Forscherteam um Duncan Lorimer in der Zeitschrift Science.

Das Objekt, das den Radioblitz ausgestoßen hat, ist den Forschern zufolge ziemlich klein: Da Licht in fünf Millisekunden lediglich eine Strecke von 1.500 Kilometern zurücklegt, müsste eine mögliche Quelle eine ähnliche Größe haben. Rotierende Neutronensterne, sogenannte Pulsare, kommen zwar in Frage, aber sie senden normalerweise periodische Radiosignale aus.

Anhand der Signalform ermittelten die Forscher um Lorimer zudem, dass der Radioblitz nicht aus der Milchstraße stammt: Er entstand in einer Entfernung von 1,6 Milliarden Lichtjahren. „Unsere erste Reaktion war: Was um alles in der Welt ist das?“, sagte Lorimer dem Wissenschaftsmagazin New Scientist. „Eigentlich hatte ich nicht damit gerechnet, dass es dort draußen überhaupt etwas gibt.“

Zwei kosmische Ereignisse kommen den Forschern zufolge als Ursache in Frage: Zum einen könnte ein Schwarzes Loch, das all seine Energie durch die so genannte Hawking-Strahlung verloren hat, sich mit einem letzten Todesschrei aus dem Kosmos verabschieden. Die andere Möglichkeit besteht, darin, dass Radioblitze bei der Verschmelzung von zwei Neutronensternen frei werden. Theoretischen Überlegungen zufolge sollte dieser Prozess nur wenige Millisekunden dauern.

Allerdings stehen Neutronenstern-Kollisionen auch im Verdacht, sogenannte Gammablitze zu erzeugen ? also kurze Ausbrüche extrem energiereicher Gammastrahlung. Solch ein Blitz wurde aber von anderen Teleskopen an der fraglichen Stelle nicht beobachtet.

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Die Forscher wollen nun weiter systematisch nach Radioblitzen suchen. Falls das Ereignis typisch war, müssten sich ihren Berechnungen zufolge jeden Tag etwa zweihundert ähnliche Blitze irgendwo am Himmel ereignen. In den Aufzeichnungen größerer Radioteleskope müssten sich noch einige ähnliche Ausbrüche verbergen, vermuten sie.

Bislang ist es allerdings schwierig, zeitlich veränderliche Radioquellen zu entdecken, da die bestehenden Radioteleskope nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels beobachten und ihre Auflösung häufig relativ schlecht ist. Allerdings sind Verbesserungen in Sicht: Der Allen Telescope Array etwa, eine Ansammlung aus 350 kleinen Radioschüsseln, kann gleichzeitig mehrere Radiofrequenzen und einen größeren Abschnitte des Himmels beobachten als es bisher möglich war.

Duncan Lorimer (West Virginia University, Morgantown, USA) et al.: Science Online Ausgabe, 27. September 2007 Ute Kehse
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