Zielscheibe Erde - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik

Zielscheibe Erde

Jederzeit kann die nächste Weltraumbombe einschlagen. Hunderte von Kleinplaneten und Kometen kreuzen die Bahn unseres Planeten. Einige davon werden irgendwann auf Kollisionskurs geraten. Sie können die Erde verwüsten und den Fortbestand der Menschheit bedrohen.

Ein kosmischer Hammerschlag jedoch ist keine Fiktion. Vor 15 Millionen Jahren legte zum Beispiel ein Steinmeteorit eine blühende Landschaft auf der schwäbisch-fränkischen Alb zwischen Ulm und Nürnberg in Schutt und Asche. Noch heute gibt ein 24 Kilometer großer Krater davon Zeugnis: Unter dem Namen Nördlinger Ries ist er weltbekannt.

Was sich hier abspielte, ist nicht weniger dramatisch als die Science-fiction-Szenarios der beiden Katastrophenfilme: Plötzlich erstrahlt ein greller Feuerball am Himmel. Zu hören ist zunächst nichts, denn die Ursache der Leuchterscheinung jagt aus den Tiefen des Weltraums mit über 70000 Kilometern pro Stunde auf die Erde zu. Mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit stürzt der ungefähr einen Kilometer große kosmische Eindringling innerhalb von Sekunden herab.

Die Erdatmosphäre durchstößt er wie eine lohende Lanze. Durch den Luftwiderstand auf immer noch 40000 Kilometer pro Stunde abgebremst, bohrt sich die Weltraumbombe gleich darauf mit brachialer Gewalt ins Jura-Gebirge und schlägt einen riesigen Krater in die Landschaft. Nach nur 0,03 Sekunden kommt das inzwischen zu Gas zerstobene Geschoß mehr als einen Kilometer tief in der Erde zum Stillstand und explodiert. Eine Stoßwelle rast durch die Erdkruste und zertrümmert das Gestein bis in sechs Kilometer Tiefe. Einen Augenblick später bricht der Gesteinsdampf aus dem Zentrum des Kraters mit ungeheuerer Wucht aus. Der Lärm zerreißt jedes Trommelfell. Kurzfristig herrscht ein Druck von etwa zehn Millionen Bar und eine Hitze von 30000 Grad – das ist fünfmal so heiß wie auf der Sonnenoberfläche.

Dann wird das zerborstene, geschmolzene oder verdampfte Gestein aus der Erde herausgespien. Teile davon gelangen binnen einer Minute bis zu 30 Kilometer hoch in die von Donnergrollen zitternde Atmosphäre. Nach 20 Sekunden ist der Krater schon 15 Kilometer weit und 4,5 Kilometer tief. An seinem Rand türmen sich die Auswurfmassen mehrere hundert Meter hoch. Nun federt der Boden zurück und schnellt einige hundert Meter empor. Schon prasseln die in die Luft geschleuderten Trümmer auf die Erde zurück und bilden im Umkreis von 50 Kilometern eine geschlossene, 30 bis 40 Meter mächtige Decke. Die Glutwolke fällt in sich zusammen und steckt in Brand, was noch Feuer fangen kann. Gewaltige Gesteinsschollen rutschen vom Rand des Kraters nach innen und verbreitern ihn auf 20 bis 25 Kilometer. Zehn Minuten nach dem Einschlag kommt die dröhnende Erde zur Ruhe. 6500 Quadratkilometer Land sind verwüstet. Im Umkreis von 100 Kilometern gibt es kein Leben mehr.

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Daß Kollisionen von Himmelskörpern real sind, ist uns spätestens in der Woche vom 16. bis zum 22. Juli 1994 deutlich vor Augen geführt worden. Damals richteten knapp zwei Dutzend Kometensplitter ein Feuerwerk auf Jupiter an. Durch das Schwerefeld des Riesenplaneten war der Mutterkörper der Fragmente bei seinem nahen Vorbeiflug im Juli 1992 zerrissen worden. Manche der höchstens ein paar hundert Meter großen Brocken setzten Energien von einem Vielfachen des gesamten irdischen Atomwaffenarsenals frei. Explodierende Feuerbälle, von der Einschlagsenergie zurückgeschleudert und dreimal so heiß wie die Sonnenoberfläche, stiegen 3000 Kilometer über die Jupiteratmosphäre empor. Im Verlauf weniger Stunden hatten sich aus den Kometentrümmern und chemischen Reaktionen in der Jupiteratmosphäre dunkle Flecken in der Lufthülle des Riesenplaneten gebildet, die zum Teil größer waren als der Durchmesser unserer Erde, viele Monate sichtbar blieben und sogar mit Amateurfernrohren beobachtet werden konnten.

===Rüdiger Vaas
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