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Bild der Woche

Eine goldene Klappenweichschildkröte entdeckt

Indische Klappenweichschildkröte (Lissemys punctata)
( Bild: Hinrich Kaiser)

Auf dem ersten Blick scheint die Indische Klappenschildkröte auf diesem Foto nicht besonders aufzufallen. Anatomisch gesehen, ist sie auch nicht von ihren Artgenossen zu unterscheiden, aber: Ihre goldene Farbe macht sie zu einer Rarität. Der Grund für diese Färbung ist ein Gendefekt.

Die Indische Klappenweichschildkröte (Lissemys punctata) kommt in südasiatischen Regionen wie Indien, Nepal und Sri Lanka vor. Meist ist sie in Gräben, Seen und in stehenden Gewässern oder auch in Reisfeldern zu entdecken. Durch ihre grünlich-graue Färbung und die gelben Flecken an Kopf und Hals ist sie im trüben Wasser gut getarnt. Ihren Namen verdankt sie den klappenartigen Vorsprüngen am Plastron, ihrer Bauchschale, die ihre Beine schützen. Klappenschildkröten gelten als Allesfresser: Sie ernähren sich von Blättern und Blumen bis hin zu Schnecken, Fischen und Fröschen.

In Nepal, in der Gemeinde Dhanushadham, entdeckte ein Dorfbewohner bereits am 14. April 2018 eine Schildkröte mit ungewöhnlich goldgefärbtem Panzer. Im Juli 2020 erfuhr die Forschungsgruppe unter Hinrich Kaiser vom Zoologischen Forschungsmuseum in Bonn und seinem Kollegen Kamal Devkota aus Nepal von der Existenz einer weiteren goldgefärbten Schildkröte im indischen Bundesstaat Odisha. Laut der Forscher handelt es sich hierbei um eine indische Klappenweichschildkröte, die eine in der Natur sehr selten vorkommende Färbung aufweist. „Der Mangel an Körperpigmentierung lässt die Schildkröte goldfarben erscheinen, wobei nur die Augen eine dunkle Pigmentierung zeigen“, sagt Devkota. Um die Ursache dieser Rarität herauszufinden, untersuchte das Forschungsteam nun das Genom der Schildkröte.

Die erste Annahme war, es könne sich um Albinismus handeln. Hierbei fehlt dem Tier die gesamte Pigmentierung in Haut und Haaren, die Augen sind meist rot gefärbt. Die Ursache ist das fehlende Enzym Tyrosinase, das bei der Produktion des Hautfarbstoffs Melanin beteiligt ist. Forscher schätzen, dass etwa eins von 10.000 Säugetieren von diesem Phänomen betroffen ist. Doch die Untersuchung der Schildkröte widerlegte diese Annahme. Stattdessen handelt sich um einen äußerst seltenen Gendefekt. Bei der gefundenen Schildkröte ist die Pigmentierung durch einen Mangel an Melanin reduziert, sodass es zu der markante Goldfärbung am Körper kommt. Erstaunlicherweise sind die Augen der Tiere aber normalgefärbt.

Die Forscher sprechen hierbei vom seltenen „chromatischen Leukismus“. Es sei erst „die fünfte dokumentierte Beobachtung in der Art“, so Devokta. Für die Schildkröte ist ihre Färbung eine akute Gefahr. Denn durch ihr hellgoldene Farbe kann sie sich nicht im Gewässer tarnen und ist damit ungeschützt. Die Forscher befürchten zudem, dass die spezielle Färbung sie zu einem begehrten Fang für Tierhändler macht.

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Die illegale Haltung von Schildkröten als Haustiere ist in Nepal ein nationales Problem. Auch verwenden Mediziner sie häufig als Heilmittel: Der Verzehr von Schildkröten und ihren Eiern soll eine verbesserte Gesundheit, Langlebigkeit und Männlichkeit versprechen.

Außerdem warnen Organisationen in Nepal, dass sich auch der Rückgang der Feuchtgebiete, die nicht nachhaltigen Methoden der Fischerei und der exzessive Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft negativ auf die Schildkrötenpopulationen auswirken. Bereits heute sind vier der 16 in Nepal beheimateten Schildkrötenarten vom Aussterben bedroht.

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