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Eis im Büßerhemd

Wie büßende Mönche in weißen Kapuzen sehen sie aus: eisige Stelen von bis zu sechs Metern Höhe, die ganze Bergflächen in den Hochgebirgen der Tropen und Subtropen bedecken können. Für Bergsteiger sind diese Eisnadel-Felder unüberwindbar. Doch wie entstehen die gleichmäßig geformten Zacken eigentlich? Vor fast 15 Jahren erklärte die Physikerin Meredith Betterton von der University of Colorado die Formationen so: Selbst eine ebene Schneefläche besitzt Hebungen und Senken. Wenn Sonnenstrahlen auf den Schnee fallen, werden diese reflektiert, treffen in den Senken aber auf mehr Widerstand, also Schnee – es entsteht eine größere Wärme in den Senken, die daraufhin schneller schmelzen und weiter einsinken.

Mit dieser Erklärung gab sich Philippe Claudin vom ESPCI, der Technischen Universität in Paris, nicht zufrieden. Er und seine Kollegen haben ein neues Modell für das sogenannte Büßereis entwickelt, welche die stets charakteristischen Formen und die räumliche Verteilung besser erklärt als die bisherige Theorie. Ihr Fazit: Ein komplexes Zusammenspiel physikalischer Prozesse ist der natürliche Architekt und Baumeister dieser Formationen. Scheint die Sonne auf die Schneeoberfläche, wird die Wärme vom Schnee aufgenommen. Im Inneren der Schneemasse steigt daraufhin die Temperatur höher an als außen. Denn dort steigt gleichzeitig Dunst auf. Dieser kühlt die Oberfläche. Bildet sich dichte Feuchtigkeit über dem Eis, kann zudem weniger Dunst aus dem Inneren entweichen.

Warum aber geht der Schnee in den Senken rascher zurück? An diesen Stellen wird mehr Wärme absorbiert, es entsteht dort auch ein größerer Temperaturunterschied zwischen innen und außen. Und es entsteht mehr Dunst über dem Eis. In den Senken schmilzt daraufhin der Schnee rascher und bricht ein. Im Grunde, so Claudin, hängt die Entstehung des Büßereises davon ab, wie viel Wasserdunst sich über der Schneefläche gebildet hat – und dass sich die Konzentrationen in nächster Nähe zueinander unterscheiden.

Foto: imago/imagebroker

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© wissenschaft.de – Ruth Rehbock/Karin Schlott
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Wissenschaftslexikon

Kol|lo|id|che|mie  〈[–çe–] od. süddt., österr. [–ke–] f. 19; unz.〉 Teilgebiet der physikalischen Chemie, das sich mit Kolloiden bzw. mit dem kolloidalen Zustand von Materie beschäftigt

Ma|te|strauch  〈m. 2u; Bot.〉 Stechpalmengewächs, aus dem Mate gewonnen wird: Ilex paraguayensis

♦ Mi|kro|ga|met  〈m. 16; Biol.〉 kleinere, bewegl. männl. Geschlechtszelle der Einzeller u. niederen Pflanzen; Ggs Makrogamet ... mehr

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