Funkelndes Umweltproblem - wissenschaft.de
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Funkelndes Umweltproblem

(Bild: Dennis Wise/ University of Washington)

Diese Szenerie wirkt nur auf den ersten Blick idyllisch. Denn was hier so grün funkelnd um eine Koralle durchs Wasser schwebt, ist Zeichen eines echten Umweltproblems. Es handelt sich um Mikroplastik-Partikel.

Die Anreicherung von Mikroplastik in Böden und Gewässern ist längst ein weltweites Problem. Auch in den Weltmeeren schwimmen bekanntermaßen jede Menge dieser winzigen Kunststoffpartikel. Sie entstehen, wenn zum Beispiel Plastiktüten langsam in immer kleinere Teile zerfallen. Daneben trägt auch industriell hergestelltes Mikroplastik zur Belastung bei. Dieses gelangt unter anderem über Kosmetikprodukte ins Abwasser und dann in die Ozeane. Was die Kunststoffteilchen für die dort lebenden Tiere bedeuten, beginnen Forscher gerade erst zu verstehen. Klar ist aber: Viele Meeresbewohner nehmen die Partikel auf – mit potenziellen Gesundheitsfolgen.

Jeremy Axworthy von der University of Washington in Seattle und seine Kollegen haben nun erneut bestätigt, dass auch Korallen Mikroplastik „schlucken“. Viele dieser Nesseltiere leben mit Algen-Symbionten zusammen, die sie mit Zucker und anderen Nährstoffen versorgen. Doch zusätzlich ernähren sie sich mitunter von im Wasser schwimmenden Organismen wie Zooplankton – und diese haben oftmals eine ähnliche Größe wie Mikroplastik. Im Experiment mit zwei vor Hawaii heimischen Korallenspezies testeten die Forscher daher, ob die Tiere zwischen Kunststoff und Zooplankton differenzieren können.

Es zeigte sich: Manche Korallen nehmen Mikroplastik – auf dem Bild als fluoreszierende grüne Teilchen zu sehen – offenbar nur unter bestimmten Bedingungen auf. So fraß die Spezies Pocillopora damicornis die Plastikteilchen nur dann, wenn Axworthy und sein Team zusätzlich Zooplankton ins Wasser gaben. Wurde ihr Kunststoff allein angeboten, nahm sie diesen nicht auf. Wie es dazu kommt, ist bisher unklar. Denkbar ist aber, dass die Koralle bestimmte chemische oder physikalische Signale des Futters wahrnimmt, dieses aber dann nicht von dem ebenfalls im Wasser befindlichen Plastik unterscheiden kann.

„Wir fangen gerade erst an, die Auswirkungen von Mikroplastik auf Meeresbewohner zu begreifen“, konstatiert Axworthys Kollegin Jacqueline Padilla-Gamino. Schadet die Aufnahme der Plastikteilchen den Korallen, wäre dies jedoch ein weiterer Faktor, der das Überleben der Tiere bedroht. Schon jetzt machen den Korallen Feinde wie korallenfressende Seesterne, aber vor allem saures Wasser und steigende Temperaturen durch den Klimawandel zu schaffen. Bei zu großer Hitze verlieren die Tiere ihre Algen-Symbionten und erbleichen förmlich – das Ausweichen auf Zooplankton-Nahrung gilt daher auch als Strategie, um diesen Verlust zu kompensieren.

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