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Bild der Woche

Glitzernde Fettkristalle

Deoxysphingolipide (grün)
(Bild: AG Kürschner/Universität Bonn)

Die grünen Glitzersteine auf dem Foto sind alles andere als wertvoll: Es handelt sich dabei um sogenannte Fettkristalle. Im menschlichen Körper können sie chronische Entzündungen auslösen, so die Ergebnisse einer neuen Studie.

Bei einigen Menschen führt ein seltener Gendefekt führt dazu, dass ihre Zellen wegen eines veränderten Enzyms fehlgebildete Fette bilden – sogenannte Deoxysphingolipide. „Diese exotischen Moleküle haben den Nachteil, dass sie nur sehr langsam abgebaut werden können“, erklärt Lars Kürschner von der Universität Bonn. „In hoher Konzentration bilden sie zudem in den betroffenen Zellen kristallähnliche Klümpchen.“ Die Folgen dieser Störung sind schwerwiegend.

Bisher bekannte Folgen der Mutation sind unter anderem das Absterben von Nervenzellen, wodurch das Schmerzempfinden gehemmt wird, Gehörverluste auftreten oder auch eine frühzeitige Demenz. Häufig leiden Betroffene auch unter Hautschäden, die nur schwer zu heilen sind oder sogar chronisch verlaufen. Der Grund: Die große Anzahl an Fettkristallen in den Zellen schränkt die Funktion der Mitochondrien – der zelleigenen Kraftwerke – massiv ein. „Das betrifft vor allem die Nervenzellen“, sagt Kürschner.

Er und seine Kollegen haben zudem herausgefunden, dass diese Defekte nicht nur in Nervenzellen, sondern auch in Bindegewebszellen vorkommen. Das weckte eine weitere Frage: „Wir haben uns gefragt, ob auch die Deoxysphingolipidkristalle Wirkungen auf das Immunsystem entfalten“, erklärt Kürschner. Dafür untersuchten die Forscher Makrophagen – Immunzellen im Bindegewebe, die als körpereigene Müllabfuhr fungieren.

Das Ergebnis zeigte, dass Makrophagen, wie Nerven- oder Bindegewebszellen auch, im Zuge der Krankheit große Mengen der Deoxysphingolipide produzieren. Gleichzeitig nehmen sie in ihrer Funktion als „Müllfahrzeuge“ zusätzlich noch die Fette abgestorbener Zellen auf. Sie erhalten damit sogar die doppelte Dosis Fettkristalle.

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Die Folgen für die Zellen sind analog zu denen in Nervenzellen: Die Funktion verschiedener Zellbestandteile, etwa die der Mitochondrien, wird gestört. Die Immunzellen reagieren darauf, indem sie die geschädigten Kraftwerke abbauen, um sie zu erneuern. „Nervenzellen und Bindegewebszellen machen das zwar ebenfalls“, sagt Lauterbach. Aber die Makrophagen aktivieren zusätzlich einen Molekülkomplex, der Entzündungen fördert. Weil diese Botenstoffe zudem weitere Fresszellen anziehen, verstärkt sich dieser Effekt noch.

„Eine Folge der Anhäufung dieser krankhaften Fette ist also eine sich manifestierende Entzündung“, erklärt der Forscher. Die Ergebnisse könnten zudem auch ein neues Licht auf ein weit häufigeres Leiden werfen – die Zuckerkrankheit. Bei Diabetes-Patienten ist die Deoxysphingolipid-Produktion in manchen Zellen ebenfalls erhöht; warum, ist noch weitgehend unbekannt. Und auch bei Diabetes beobachten Mediziner regelmäßig starke chronische Entzündungen, die zu den gravierenden Folgen der Erkrankung beitragen.

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