Leuchtende Tausendfüßler - wissenschaft.de
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Bild der Woche

Leuchtende Tausendfüßler

Bild: Stephanie Ware, Field Museum

Anders als ihr Name vermuten lässt, haben Tausendfüßler keineswegs tausend Füße. Die Art Pseudopolydesmus canadensis, zu der auch das hier abgebildete Gliederfüßer-Exemplar gehört, hat rund 70 Beine. Forscher des Field Museum in Chicago haben nun eine Methode entwickelt, wie sie Tausendfüßler-Arten anhand ihrer Genitalien auseinanderhalten können, ohne die Präparate bei den Untersuchungen zu beschädigen.

Um Präparate wie die wenigen Millimeter kleinen Tausendfüßler unter dem Elektronenmikroskop aufzunehmen, müssen sie normalerweise mit Gold beschichtet werden. Im Mikroskop wird das Präparat dann mit Elektronen beschossen, die – vereinfacht erklärt – vom Objekt reflektiert oder durchgeleitet werden. Die Streuung der Elektronen wird aufgezeichnet und daraus ein Bild generiert.

Die neue Methode funktioniert ohne Goldbeschichtung. Stattdessen machen sich die Forscher Schwarzlicht zunutze. Wie die Wissenschaftler um Stephanie Ware vom Field Museum herausfanden, leuchten die Genitalien der unterschiedlichen Arten in ultraviolettem Licht in verschiedenen Farben. Auch die Form und Struktur der Genitalien lassen sich im Schwarzlicht gut sichtbar machen. Das funktioniert, weil das UV-Licht mit bestimmten Proteinen im Exoskelett der Tausendfüßler reagiert. Der Hautpanzer fluoresziert daraufhin.

Das älteste Präparat ist von 1887

Und so machen die Forscher eine Aufnahme: Um den Fluoreszenz-Prozess festzuhalten, wird eine Kamera an einer motorisierten Hebevorrichtung bewegt. Während die Kamera auf das Präparat zufährt, nimmt sie 10 bis 70 Bilder auf. Eine Software setzt die einzelnen Bilder im Nachhinein zu einem einzigen scharfen Foto des Tieres zusammen. Ware erklärt: „So gelingen uns sehr detaillierte Aufnahmen ohne die Exemplare nur ein kleines bisschen zu beschädigen.“ Die untersuchten Präparate sind aufgrund ihres hohen Alters wissenschaftlich wertvoll – das älteste wurde 1887 gesammelt.

Die untersuchte Gattung Pseudopolydesmus kommt überall im Osten der USA vor. Die Tausendfüßler leben auf Waldboden, zersetzen Laub und geben die darin eingeschlossenen Nährstoffe wieder an den Boden ab. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für Ökosysteme. Studienleiterin Petra Sierwald sagt: „Wenn wir Tausendfüßler sammeln und sehen, wo sich die unterschiedlichen Arten über die Zeit verteilen, können wir mehr über das Klima und Umweltveränderungen lernen.“

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Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Zoological Journal of the Linnean Society.

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