Reis-Mosaik von Menschenhand - wissenschaft.de
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Reis-Mosaik von Menschenhand

Das ist eine Kunst – die Reisterrassen auf Bali. Ihre unterschiedliche Färbung entsteht dadurch, dass die Bauern ihre Reisfelder zu verschiedenen Zeiten im Jahr bestellen und abernten. Auf den grünen Terrassen wächst der junge Reis heran, die gelben Felder stehen kurz vor der Ernte und braun sehen die abgeernteten Flächen aus. Hinter diesem riesigen Mosaik steckt ein komplexes Prinzip, wie die beiden Forscher Stephen Lansing von der Nanyang Technological University in Singapur und Stefan Thurner von der Medizinischen Universität Wien herausgefunden haben. Ihre Ergebnisse veröffentlichteb die beiden Forscher im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences .

Für ihre Berechnungen zogen die Forscher zwei Variablen heran, die auch für die Reisbauern auf Bali entscheidend sind: die Menge an verfügbarem Wasser und das Risiko durch Schädlingsbefall. Würden nun alle Bauern zur gleichen Zeit ihren Reis anbauen, hätten nicht alle den gleichen Zugang zu Wasser. Denn die Bauern, die flussaufwärts leben, graben beim Bewässern den Bauern flussabwärts das Wasser ab. Wenn dann die Bauern flussabwärts zu einem späteren Zeitpunkt ihren Reis anpflanzen, schadet das auch allen Bauern. Der Grund: Wird der Reise zu unterschiedlichen Zeit angebaut, können Schädlinge leichter von Terrasse zu Terrasse wanden und die Felder befallen. Wenn der Reis aber auf allen Feldern zur gleichen Zeit angebaut wird, können sich die Schädlinge nicht so leicht ausbreiten. Dann aber steht nicht allen Bauern gleich viel Wasser zur Verfügung.

In der Realität sucht deshalb jeder Bauer die beste Lösung für sich – und genau so entsteht das bunte Muster der Reisterrassen. Lansing und Thurner haben nun in Simulationen berechnet, dass die individuellen Entscheidungen der Bauern dafür sorgen, dass alle einen maximalen Ernteertrag erreichen. Fachleute nennen ein solches System fraktales Muster, das in der Natur sehr häufig vorkommt, selten jedoch von Menschenhand gemacht. „Das System ist erstaunlich stabil und der Selbstorganisationprozess entwickelt sich extrem schnell“, erklärt Thurner. „Es dauert vermutlich keine zehn Jahre, bis sich ein Gleichgewicht eingestellt hat.“

Foto: CCO public domain

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© wissenschaft.de – Ruth Rehbock/Karin Schlott
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