Täter und Opfer zugleich - wissenschaft.de
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Täter und Opfer zugleich

Bild: Martin Odino

Er reist sein Maul auf und zeigt seine Reißzähne. Damit packt der Löwe seine Beute: Antilopen, Zebras, Büffel – aber auch immer wieder Nutztiere von Menschen. An den Grenzen zu den Nationalparks in Kenia führt das häufig zum Konflikt zwischen Löwe und Mensch. Manchmal wird das Raubtier dann selbst zum Opfer: Immer wieder jagen und töten Menschen der Volksgruppe Maasai Löwen. Dadurch sind lokale Populationen vom Aussterben bedroht. In Kenia leben heute weniger als 2500 Löwen, davon 800 auf Weideland der Maasai. Ein Team der University of Exeter und des Internationalen Nutztierforschungsinstituts in Nairobi hat nun untersucht, wie man den Konflikt entschärfen könnte.

Bislang ging man davon aus, dass die Maasai Löwen auch dann töten, wenn diese kein Nutzvieh gerissen haben. Um das zu überprüfen, befragten die Forscher 213 Volksgruppen in den drei Regionen Nairobi, Maasai Mara and Amboseli. Mit dem Ergebnis: „Löwen zu töten ist ein Teil der traditionellen Kultur der Maasai. Aber in den letzten Jahren konnten wir eine Veränderung beobachten: Weg von einem Ritual, das den Übergang ins Mannesalter begleitet, hin zu einer direkten Reaktion auf den Verlust von Nutzvieh“, erklärt Dave Hodgson, Direktor des Zentrums für Ökologie und Erhaltung an der University of Exeter. Vorausgehende Studien hatten gezeigt, dass Löwen vor allem dann präventiv getötet werden, wenn die Bauern auf ihr Vieh angewiesen sind, etwa in den sehr trockenen Regionen von Amboseli.

Löwen zu töten, ist in Kenia verboten

Auch durch Leoparden, Geparde, Hyänen, Hunde oder Schakale verlieren die Maasai immer wieder Vieh. Enoch Ontiri, Autor der Studie, sagt: „In Trockengebieten im Süden Kenias stehen Maasai-Bauern im direkten Konflikt mit Fleischfressern, die ihr Vieh töten.“ Trotzdem zeige die Befragung der Maasai-Gemeinschaften: Die Menschen sind davon überzeugt, dass sie gemeinsam mit den Löwen leben können. Die meisten Befragten respektieren Wildtiere und schätzen sie als Tourismusmagnet.

Durch Gesetze ist es bereits heute in Kenia verboten, Löwen zu töten. Die Wissenschaftler vermuten, dass es für den Konflikt nur eine einzige Lösung gibt: Das Maasai-Vieh muss besser vor Raubtieren geschützt werden und die Viehhüter sollten in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Die Ergebnisse der Befragung veröffentlichten die Forscher im Journal „People and Nature“.

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