Vom Männchen zum Weibchen - wissenschaft.de
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Vom Männchen zum Weibchen

Bild: L. Brian Stauffer

Ganz nah dran bleiben diese Anemonenfische an ihrem schützenden Zuhause: Die Tentakel der Seeanemonen lähmen mit ihren Nesselpfeilen Raubfische und bewahren so die Anemonenfische vor dem Gefressenwerden. Diese Bewohner der Korallenriffe haben aber noch eine Besonderheit: Sie können ihr Geschlecht verändern. Der Anemonenfisch wird als Männchen geboren, wandelt sich in manchen Fällen jedoch im Laufe des Lebens zum Weibchen.

Wie genau diese Geschlechtsumwandlung abläuft, haben Forscher der University of Illionois untersucht. Die Forscher beobachteten im Labor 17 Paare von männlichen Anemonenfischen. Normalerweise ist bei dieser Fischart das Weibchen dominant und geht mit dem größten der männlichen Bewerber eine Bindung ein. Was aber passiert, wenn zwei Männchen längere Zeit wie ein Paar zusammengehalten werden? Schon nach wenigen Minuten oder Stunden im selben Tank erschien einer der beiden Fische im Kampf als dominanter und begann, sich wie ein Weibchen zu verhalten.

Weibliches Gehirn, männliche Drüsen

Aber warum? Dafür untersuchte das Team den präoptischen Bereich des Fisch-Gehirns. Diese Struktur reguliert die Geschlechtsdrüsen (Gonaden), in denen Sexualhormone gebildet werden. Sie ist bei Weibchen größer ausgeprägt als bei Männchen, mit annähernd zweimal so vielen Neuronen. Im Experiment wuchs dieser Bereich im Gehirn der ursprünglich männlichen Fische innerhalb von sechs Monaten so stark, dass sie nicht mehr von Weibchen zu unterscheiden waren.

Justin Rhodes, Verhaltens-Neurowissenschaftler und Studienleiter, sagt: „Wir dachten, auch die Keimdrüsen der Fische würden sich unmittelbar verändern. Doch das war nicht das, was passierte. Die Keimdrüsen blieben männlich, während sich das Gehirn veränderte.“ Nach drei Jahren hatten nur drei dominante Fische ihr Geschlecht vollständig gewandelt. „Wir wissen nicht genau, worauf die anderen warten. Vielleicht darauf, größer zu werden, damit sie mehr Eier produzieren können. Vielleicht stimmt auch die Chemie als Paar nicht.“

Weiblich oder männlich? Für Rhodes ist die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Hormones and Behavior, der Beweis: Das Geschlecht des Gehirns kann unabhängig von dem Geschlecht der Keimdrüsen sein. Der Anemonenfisch ist laut der Forscher das erste Tier-Beispiel, das einen Geschlechtswandel im Gehirn vollzieht, bevor er in den Geschlechtsorganen stattfindet.

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