Adlernasen-Dino mit Schaufelkinn präsentiert - wissenschaft.de
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Adlernasen-Dino mit Schaufelkinn präsentiert

Künstleriche Darstellung des neunen Vertreters der Hadrosaurier. (Bild: ICRA Art)

Vorhang auf für Aquilarhinus palimentus – die „Adlernase mit dem Schaufelkinn“: Paläontologen haben der „Freak-Show“ der bekannten Dinosaurierarten ein weiteres Exemplar hinzugefügt – einen frühen Vertreter der Entenschnabel-Dinosaurier mit besonderen Merkmalen. Vermutlich nutzte das Tier die gezackte Schaufelstruktur seines Schnabels zum Abernten von Wasserpflanzen und der Höcker auf der Nase bildete wohl ein Schmuckelement, erklären die Forscher.

Riesen mit langen Hälsen, keulenschwingende Panzerechsen oder Zweibeiner mit Mega-Mäulern – die Welt der Dinosaurier hatte so einige bizarre Gestalten zu bieten. Die Vertreter der auch Entenschnabel-Dinosaurier genannten Hadrosaurier sind in diesem Zusammenhang für ihre eigenartigen Mäuler bekannt. Einige besaßen zudem spezielle Schädelformen sowie auffällige knöcherne Kammstrukturen auf dem Kopf. Es handelte sich bei den Hadrosauriern um eine ausgesprochen erfolgreiche Gruppe der Dinosaurier: Im Laufe des Erdmittelalters haben sie verschieden Untergruppen und zahlreiche Arten hervorgebracht, die weite Teile der damaligen Welt bevölkerten. Am Ende der Kreidezeit waren die Vertreter der Hadrosaurier schließlich die häufigsten pflanzenfressenden Dinosaurier der Erde.

Ein neues Gesicht in der Familie der Entenschnabel-Dinos

Das gemeinsame Merkmal dieser Tiere waren breite und flache Kieferstrukturen, die einem Entenschnabel ähnelten. Dieses Konzept eignete sich vermutlich besonders gut zum Abweiden von Pflanzenteilen. Bei einigen Arten war dieser Entenschnabel breiter als bei anderen – es gab aber bisher kaum Beispiele für eine deutlich abweichende Form. Daher war wahrscheinlich auch die Nahrung und Ernährungsweise der verschiedenen Vertreter der Hadrosaurier ähnlich. Wie die Forscher um Albert Prieto-Márquez von der Autonomen Universität Barcelona nun berichten, bildete die nun neuentdeckte Art in diesem Zusammenhang wohl eine Ausnahme.

Die Fossilien stammen aus dem Big Bend National Park im Südwesten von Texas. Es handelt sich um einen etwas über einen halben Meter langen Schädel sowie um Skelettteile, die Datierungen zufolge etwa 80 Millionen Jahre alt sind. Die Fossilien waren bereits in den 1980er Jahren entdeckt worden – doch erst jetzt wurden Prieto-Márquez und seine Kollegen auf die mögliche Bedeutung der Funde aufmerksam.

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Wie die Untersuchungen des Paläontologenteams ergaben, besaß das Tier einige Gemeinsamkeiten mit anderen Dinosauriern aus der Gruppe der Hadrosaurier – doch seine speziellen Merkmale weisen ihn klar als eine bisher unbekannte Art aus einer ebenso neuen Gattung aus. Das Besondere: Sein Unterkiefer war wie eine Schaufel geformt und besaß eine wellenförmige Randstruktur. Auf der „Nase“ besaß das Tier zudem einen auffällig gewölbten Kamm, wodurch das Profil des Dinosauriers wie ein Adlerschnabel wirkte.

Künstleriche Darstellung von Aquilarhinus. (Bild: ICRA Art)

Aquilarhinus „schaufelte“ vermutlich Wasserpflanzen

Bei der Benennung der neuen Art Aquilarhinus palimentus ließen sich die Wissenschaftler auch von diesen beiden charakteristischen Merkmalen inspirieren. „Aquilarhinus“ bildet sich aus dem lateinischen Wort aquila, das Adler bedeutet und der griechischen Bezeichnung für Nase: rhinos. Die Spezies-Bezeichnung „palimentus“ leitet sich wiederum von den lateinischen Wörtern pala – Schaufel und mentus – Kiefer ab.

Wie die Wissenschaftler erklären, bildete die spezielle Schnabelstruktur von Aquilarhinus palimentus vermutlich ein nützliches Werkzeug im Lebensraum des Sauriers: Was heute eine trockene und felsige Landschaft in Texas ist, war vor rund 80 Millionen Jahren ein Feuchtgebiet oder Sumpf im Küstenbereich. Vermutlich benutzte das Tier sein eigenartiges Maul, um Wasserpflanzen vom Grund der Gewässer zu lösen, erklären die Forscher.

Der Höcker auf der Nase diente jedoch nicht der Nahrungsbeschaffung. Es handelte sich offenbar um eine spezielle und möglicherweise ursprüngliche Form der teils spektakulären Kammstrukturen, die einige Vertreter der Hadrosaurier besaßen. „Diese neue Art gehört ihren Merkmalen zufolge zu den eher urtümlichen Hadrosauriern und kann uns daher helfen, zu verstehen, wie und warum sich die Ornamentik auf ihren Köpfen entwickelt hat“, sagt Prieto-Márquez. Den Forschern zufolge stützt die Form des Kamms von Aquilarhinus palimentus nun die Hypothese, wonach alle Versionen des Kopfschmucks auf eine einfache Buckelnase zurückgehen.

Außerdem liefert der urtümliche Vertreter Hinweise darauf, wo die Hadrosaurier einst entstanden sein könnten, sagen die Forscher. „Seine Existenz ist ein weiterer Beleg für die Annahme, dass die Gruppe der Hadrosaurier ihre Karrieren im Südosten der heutigen USA begann“, so Prieto-Márquez.

Quelle: Taylor & Francis Group, Journal of Systematic Palaeontology, doi: 10.1080/14772019.2019.1625078

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