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Würgeschlangen aus der Grube Messel

Älteste Python-Fossilien entdeckt

Die neu beschriebene Art Messelopython freyi ist der älteste Nachweis einer Pythonschlange weltweit. (Bild: Senckenberg)

Das Reich der Riesenschlangen ist heute der Tropengürtel der Erde – doch einst krochen Vertreterinnen dieser prominenten Reptilien auch durchs heutige Deutschland, verdeutlichen neue Funde aus der Grube Messel: Paläontologen präsentieren die weltweit ältesten bekannten Fossilien einer Pythonart. Offenbar teilte sich Messelopython freyi vor rund 47 Millionen Jahren ihren Lebensraum mit einer Vertreterin der Boas, die bereits zuvor in Messel entdeckt wurde. Der Fund wirft damit neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der beiden angeblich miteinander konkurrierenden Riesenschlangen-Familien, sagen die Wissenschaftler.

Auf Gliedmaßen verzichten sie – der Körperbau der Schlangen avancierte zu einem ausgesprochenen Erfolgsmodell in der Evolution: Tausende von Arten schlängeln sich heute durch viele unterschiedliche Lebensräume der Erde. Zur evolutionären Karriere der Schlangen und ihren verschiedenen Gruppen gibt es allerdings noch immer viele offene Fragen. So ist auch die Entwicklungsgeschichte der beiden prominenten Würgeschlangenfamilien unklar – der Boas und Pythons – zu denen die größten Schlangen der Welt gehören.

Kopf und Körper des Messel-Pythons sind erstaunlich gut erhalten. (Bild: Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Eine urtümliche Python zeichnet sich ab

Das Problem bei der Erforschung der Schlangenevolution ist die Seltenheit von entsprechenden Fossilien:  Nur an wenigen Lagerstätten der Welt sind gut erhaltene Skelette zu finden. Doch eine besondere Ausnahme bildet dabei die Grube Messel in der Nähe von Darmstadt. In dem Schiefergestein haben Paläontologen bereits exzellent erhaltene Schlangenfossilien entdeckt. Anfang 2020 berichteten sie über die Art Eoconstrictor fischeri, die einst durch das Ökosystem im Bereich der heutigen Grube Messel kroch. Anhand der Merkmale der etwa zwei Meter langen Schlange identifizierten sie diese als eine frühe Vertreterin aus der Gruppe der Boas.

Im Gegensatz dazu berichten Krister Smith vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und Hussam Zaher von der Universität von São Paulo nun von der Entdeckung einer Schlangenart, die sie den Pythons zuordnen. Die Ergebnisse basieren auf dem Fund eines vollständigen Fossils inklusive Schädel sowie weiteren Überresten der Art. Es handelt sich um den bislang frühesten bekannten Nachweis einer Pythonschlange weltweit, ging aus den Untersuchungen der Merkmale hervor. Den Datierungen zufolge lebte das etwa einen Meter lange Reptil vor rund 47 Millionen Jahren und damit etwa zur gleichen Zeit wie Eoconstrictor fischeri. Getauft wurde die neue Art auf den Namen Messelopython freyi. „Mit der Benennung wollten wir den Paläontologen Eberhard Frey vom Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe für seine Leistungen auf dem Feld der Paläontologie ehren“, sagt Smith.

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Interessante Koexistenz

Pythonschlangen zählen mit Längen von über sechs Metern zu den größten Schlangen der Welt. Heute findet man die verschiedenen Arten dieser Würgeschlangen in Afrika, Süd- und Südostasien sowie in Australien. „Wo die Pythons ihren evolutionären Ursprung haben, war bislang aber unklar. Der Fund der neuen Pythonart in der Grube Messel ist daher ein sehr wichtiger Beleg für deren Evolutionsgeschichte“, sagt Smith. „Zur Zeit des Eozäns, also vor etwa 47 Millionen Jahren, gab es diese Schlangen demnach schon in Europa. Unsere Analysen geben somit Hinweise darauf, dass sie sich hier entwickelt haben“, so der Paläontologe.

Die wärmeliebenden Reptilien profitierten damals von einer besonders warmen Klimaphase. Allerdings fehlten die Würgeschlangen dann wohl einige Jahrmillionen lang auf dem europäischen Kontinent. Erst im Miozän – zwischen 23 und 5 Millionen Jahren vor heute – finden sich wieder Fossilien aus dieser Schlangenfamilie. „Als das globale Klima nach dem Miozän dann erneut abkühlte, verschwanden die Pythons endgültig aus Europa“, so Smith.

Abschließend heben die Paläontologen noch einmal die Bedeutung der Co-Existenz der Boa- und Pythonarten im einstigen Ökosystem um Messel hervor. Das Besondere ist dabei, dass diese beiden Gruppen heute räumlich vollkommen getrennt vorkommen, was zu Vermutungen geführt hat, dass sie sich gegenseitig verdrängten. „In Messel lebten aber sowohl Messelopython freyi als auch ursprüngliche Boas wie Eoconstrictor fischeri in einem Ökosystem – die These, dass die beiden Schlangenfamilien konkurrieren und sich daher keinen Lebensraum teilen können, muss demnach überdacht werden“, betont Smith.

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2020.0735

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