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Erde+Klima

Als die Sahara trocknete, litt auch Asien

Analysen von Stalagmitenproben aus Höhlen im Norden von Laos haben geochemische Hinweise auf die klimatischen Entwicklungen in der stark bevölkerten asiatischen Monsunregion geliefert. (BU: Amy Ellsworth)

Einst war sie grün und üppig – doch dann wurde die Sahara zur Wüste. Diese mit Staubentwicklung verbundene Austrocknung hatte offenbar erstaunlich weitreichende Folgen, sagen Forscher: Sie präsentieren Hinweise auf eine Verbindung der Wüstenbildung in Nordafrika mit Dürren, die das Innere Südostasiens vor 5000 bis 4000 heimsuchten und dort das Schicksal der Menschen prägten.

Wo heute die Sonne auf den nackten Boden brennt, erstreckten sich bis vor etwa 6000 Jahren noch grüne Landschaften, in denen die typischen Savannentiere Afrikas grasten. Diese einst lebensfreundliche Sahara war auch die Heimat von Menschen, wie Felszeichnungen und archäologische Funde zeigen. Doch dann setzte ein drastischer Wandel ein: Das einst vegetationsreiche Nordafrika verwandelte sich in die trockene Wüstenlandschaft, die wir heute kennen. Es gibt verschiedene Belege dafür, wie sich die klimatischen Veränderungen im Zusammenhang mit dem Ende der grünen Sahara auf die Menschen in Nordafrika und auch in Westasien ausgewirkt haben. So wurde der Wandel etwa mit den gesellschaftlichen Entwicklungen entlang des Nils in Verbindung gebracht sowie mit dem Zusammenbruch des akkadischen Reiches in Mesopotamiens bis hin zu Auswirkungen auf die Indus-Zivilisation im heutigen Pakistan und Indien.

Fragender Blick auf Südostasien

Wie die Forscher um Michael Griffiths von der William Paterson University in New Jersey berichten, zeichnen sich in dieser Zeit im weit entfernten Südostasien ebenfalls Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft ab. Es handelt sich dabei um eine Periode, die durch einen deutlichen Mangel an archäologischen Zeugnissen im Vergleich zu früheren und späteren Epochen gekennzeichnet ist. Eine Ursache der Verschiebung der menschlichen Siedlungsmuster in der Region könnten Veränderungen des Ausmaßes oder des zeitlichen Auftretens des Monsuns gewesen sein, die bekanntermaßen mit tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen verknüpft sein können. „Archäologen und Anthropologen untersuchen diese Zeit seit Jahrzehnten im Hinblick auf gesellschaftliche Anpassungen und Umwälzungen, aber die genauen Hintergründe sind bisher nicht bekannt“, sagt Griffiths.

Um handfeste Informationen über die Entwicklung des Klimas in Südostasien in der fraglichen Zeit zu gewinnen, haben Griffiths und seine Kollegen Proben von Stalagmiten aus Höhlen in Nord-Laos untersucht. Wie sie erklären, lassen die Analysen von Sauerstoff- und Kohlenstoffisotopen in den datierbaren Schichten dieser Tropfsteine Rückschlüsse auf die einstigen Klimaentwicklungen zu. Anhand der geochemischen Eigenschaften konnten sie nun nachweisen: Es gab in der fraglichen Periode tatsächlich einen starken Rückgang der Monsunregenfälle in der Region, der somit zeitlich mit der Austrocknung der Sahara zusammenfiel.

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Trockene Verknüpfung

Die gewonnen Daten kombinierten die Wissenschaftler anschließend mit Klima-Simulationen, um aufzuklären, welche Prozesse zu den Veränderungen des Monsuns in Südostasien geführt haben könnten. Wie sie berichten, geht aus den Modellierungsexperimenten hervor, dass Rückkopplungen und weitreichende Verknüpfungen zwischen Ozean und Atmosphäre zu der abrupten Verschiebung der Niederschläge geführt haben könnten. Konkret zeichnet sich ab, wie das verminderte Pflanzenwachstum in der Sahara zu vermehrtem Staub in der Luft geführt hat, was sich weitreichend auswirken konnte.

Den Simulationen zufolge könnte der Staub zu einer Abkühlung des Indischen Ozeans geführt haben, was wiederum mit einer Verlagerung der sogenannten Walker-Zirkulation nach Osten verbunden war. Dieser Effekt auf den atmosphärischen Strömungskreislauf führte dann zu der starken Abnahme der Monsun-Feuchtigkeit in Südostasien, die mehr als 1000 Jahre anhielt. „Unsere hochauflösende und gut datierte Aufzeichnung deutet auf eine starke Verbindung zwischen Nordafrika und dem südostasiatischen Festland während dieser Zeit hin“, sagt Co-Autorin Kathleen Johnson von der University of California in Irvine. „Wir liefern damit Belege für einen engen Zusammenhang zwischen dem Ende der grünen Sahara und den Veränderungen des südostasiatischen Monsuns während des mittleren bis späten Holozäns“, so die Wissenschaftlerin.

Die Forscher vermuten, dass die Dürren einen Anstoß für die Veränderungen der Bevölkerungsmuster und die Annahme neuer, widerstandsfähigerer Strategien der Lebensmittelversorgung gewesen sein könnten: Möglicherweise bildeten sie einen Motor für die Entstehung der neolithischen Landwirtschaft auf dem südostasiatischen Festland, sagen die Wissenschaftler. „Es handelte sich um eine klimatische Veränderung, die sich auf die damalige Gesellschaft ausgewirkt haben muss, denn sie bestimmte, welche Pflanzen und Tiere verfügbar waren“, sagt Co-Autorin Joyce White von der University of Pennsylvania. Griffiths ergänzt dazu abschließend: „Die Ergebnisse können uns nun helfen, die beobachteten gesellschaftlichen Verschiebungen in vielen Teilen der Tropen in unterschiedlichem Ausmaß besser zu verstehen“.

Quelle: University of California in Irvine, Fachartikel: Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-020-17927-6

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