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Amphibischer Dinosaurier entdeckt

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Kopf und Hals erinnern an einen Schwan: Halszkaraptor escuilliei besaß eine überraschende Mischung von Merkmalen. (Künstlerische Darstellung: Lukas Panzarin and Andrea Cau for scientific supervision)
Er besaß einen Schwanenhals, scharfe Krallen, aber auch Flossen: Forscher berichten von einem skurrilen Dinosaurier, der vor etwa 75 Millionen Jahren in der heutigen Mongolei gelebt hat. Seine Merkmale legen nahe, dass er eine amphibische Lebensweise besaß: An Land bewegte er sich auf zwei Beinen, mit seinen flossenartigen Vordergliedmaßen konnte er sich aber auch geschickt durchs Wasser manövrieren.

Er trägt den Spitznamen „Halszka“ – offiziell heißt der neuentdeckte Raubsaurier aus der Gruppe der Theropoden Halszkaraptor escuilliei. Dass sein Fossil der Wissenschaft zugänglich geworden ist, war ein Glücksfall: Es befand sich lange Zeit in privaten Sammlungen, denn es handelt sich um ein Stück, das Fossilienhändler aus dem Fundgebiet Ukhaa Tolgod in der südlichen Mongolei illegal entwendet haben. Glücklicherweise kam es aber schließlich doch noch in die Hände von Experten: Ein Team um Pascal Godefroit vom Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel hat dem ungewöhnlichen Fossil nun eine Studie gewidmet. Durch detaillierte 3D-Synchrotronanalysen und weitere moderne Untersuchungstechniken deckten die Paläontologen die ungewöhnlichen Merkmale von Halszka auf.

Überraschende Mischung von Merkmalen

Wie sie berichten, passt dieses Wesen zu keiner bisher bekannten Gruppe von Raubsauriern. „Als ich das Exemplar zum ersten Mal untersuchte, fragte ich mich sogar, ob es ein echtes Fossil ist und nicht nur eine Fälschung aus zusammengestückelten Teilen“, sagt Co-Autor Andrea Cau vom Geologischen Museum Capellini in Bologna. Doch wie die Untersuchungen schnell zeigten, ist das nicht der Fall. Halszka besitzt eine Reihe seltsamer Merkmale, die von Reptilien- und Vögeln bekannt sind, die in aquatischen oder semiaquatischen Ökosystemen vorkommen. „Diese unerwartete Mischung von Merkmalen macht es schwierig, Halszka in traditionelle Klassifikationen einzuordnen“, so Cau. Die Forscher haben das Tier deshalb nun nicht nur einer neuen Art zugeordnet, sondern auch einer neuen Gruppe von Dinosauriern: den Halszkaraptorinae.

Klar scheint, dass Halszka ein mit den Raptoren verwandter theropoder Saurier war. Die Theropoden umfassten alle zweibeinigen fleischfressenden Dinosaurier, einschließlich der größten landlebenden Raubtiere aller Zeiten. Obwohl einige Arten der Theropoden nachweislich auch Fisch gefressen haben, ging man bisher davon aus, dass sie keine ausgeprägten aquatischen Fortbewegungsweisen beziehungsweise Lebensstile hervorgebracht haben. Halszka scheint dies nun zu widerlegen.

Wie die detaillierten Untersuchungen des Fossils ergaben, besaß der skurrile Dino neben seinen flossenartig ausgebildeten Vordergliedmaßen noch weitere Merkmale, die dokumentieren, dass er im Wasser jagte. Die Durchleuchtung des Fossils deckte sogar Überreste von Nervenstrukturen auf: „Wir haben ein neurovaskuläres Geflecht innerhalb seiner Schnauze identifiziert, das in bemerkenswerter Weise dem moderner Krokodile ähnelt“, sagt Vincent Beyrand von der European Synchrotron Radiation Facility in Grenoble. „Auf diesen Merkmalen beruht die Fähigkeit der Krokodile, unter Wasser Beutetiere zu erkennen. Diese Aspekte verdeutlichen, dass Halszka ein Wasserraubtier war“, so der Wissenschaftler.

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Ein wendiges Wasserraubtier

Konkret gehen die Forscher davon aus, dass Halszka einen Vertreter einer neuen Gattung von amphibischen Dinosauriern repräsentiert, die an Land aufrecht laufen konnten, aber auch an die Bewegung im und unter Wasser angepasst waren. Dabei nutzte Halszka seine flossenartigen Vorderbeine zum Manövrieren – ähnlich wie Pinguine und andere Wasservögel. Mit seinem langen Hals, dem zähnchenbesetzten Schnabel und seinen scharfen Krallen schnappte er sich dabei offenbar Beutetiere.

Die Entdeckung von Halszka verdeutlicht nun erneut, wie erstaunlich „erfinderisch“ die Dinosaurier-Gruppe der Raptoren gewesen ist, resümieren die Forscher: Diese Wesen haben nicht nur wendige Läufer und Flugkünstler hervorgebracht, sondern sich auch das Wasser erobert. Die Forscher hoffen nun auf weitere Funde von Vertretern dieser neuen Kategorie – auf Fossilien von Halszka und seinen Verwandten.

Link zum interaktiven 3D-Modell des Fossils von Halszkaraptor escuilliei.

 

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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