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Braunkohle: Ostdeutsche Kraftwerke schon vor 2030 unwirtschaftlich

Braunkohlekraftwerk
Braunkohlekraftwerk in der Lausitz. (Bild: reidecki/ iStock)

Bisher sieht der Klimafahrplan der Bundesregierung einen Kohleausstieg bis 2038 vor, die Betreiber sollen dafür entschädigt werden. Doch eine Analyse belegt nun, dass die ostdeutschen Braunkohlekraftwerke ohnehin schon ab 2024 unwirtschaftlich werden, wenn der CO2-Preis wie prognostiziert ansteigt. Den Kraftwerksbetreibern entstünden somit auch bei früher Abschaltung keine finanziellen Nachteile – eine Finanzspritze aus Steuergeldern wäre demnach nicht gerechtfertigt.

Für die Betreiber der Braunkohlekraftwerke rentiert sich das Geschäft: Solange der CO2-Preis niedrig bleibt – im Moment liegt er im Schnitt bei 40 Euro – erwirtschaften sie mit ihren Meilern reichlich Gewinne. Bisher soll nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung das letzte Kohlekraftwerk im Jahr 2038 abgeschaltet werden. Ein so später Kohleausstieg bedeutet für die Konzerne demnach bares Geld – sofern der CO2-Ausstoß wenig Kosten verursacht. Steigt der CO2-Preis jedoch, könnte dies schon ganz anders aussehen.

Braunkohle als Klimaschutz-Hemmschuh

Was dies konkret für die ostdeutschen Braunkohlekraftwerke bedeutet, haben nun Analysten von Energy Brainpool im Auftrag der Greenpeace-Tochter Green Planet Energy ermittelt. Im Fokus stand dabei das Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig und die Kraftwerke Schwarze Pumpe und Boxberg in der Lausitz. Das Kraftwerk Lippendorf ist mit einer Leistung von 1840 Megawatt eines der größten deutschen Braunkohlekraftwerke – und einer der größten Emittenten von Treibhausgasen im Energiesektor. Aktuell sieht der Ausstiegsfahrplan der Bundesregierung vor, dass der letzte Block im Braunkohlemeiler Lippendorf Ende 2035 abgeschaltet wird, die Kraftwerke Schwarze Pumpe und Boxberg sollen erst Ende 2038 vom Netz gehen. Die Betreibergesellschaft Leag soll als Kompensation für diesen langgestreckten Kohleausstieg rund 1,75 Milliarden Euro aus Steuergeldern erhalten.

Erst vor Kurzem ermittelte eine Studie, dass allein das Braunkohlekraftwerk Lippendorf bei einem Weiterbetrieb bis 2035 noch 134 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen würde. Dies entspricht drei Prozent des Treibhausgas-Restbudgets, das Deutschland im Rahmen des 1,5 Grad Klimaschutzziels von Paris noch zur Verfügung steht. Der daraus entstehende Klimaschaden – etwa für Extremwetterschäden oder Ernteausfälle – würde Folgekosten in Höhe von mehr als 28 Milliarden Euro nach sich ziehen. Dazu kommen 310.000 Tonnen Schwefeldioxid und 220.000 Tonnen Stickoxide. Den Berechnungen von Energy Brainpool zufolge würden allein diese beiden Luftschadstoffe Umweltkosten in Höhe von 8,8 Milliarden Euro bis 2035 verursachen.

Kraftwerke schon ab 2024 im Minus

Jetzt haben die Forscher untersucht, wie sich die Strommarkt-Erlöse und Betriebskosten der drei Braunkohlekraftwerke bei ihrem Weiterbetrieb in Abhängigkeit vom CO2-Preis entwickeln. Im ersten Szenario gingen sie von einem beim jetzigen Stand von rund 40 Euro stagnierenden CO2-Preis aus, im zweiten von einem allmählich ansteigenden Preis, der 2038 dann den Wert von 105 Euro pro Tonne CO2 erreicht. Die Modellrechnungen ergaben: Der Betrieb der Braunkohlekraftwerke bis 2035 beziehungsweise 2038 lohnt sich nur, wenn der CO2-Pries niedrig bleibt – was allerdings angesichts der weltweiten Entwicklung kaum zu erwarten ist. Nur dann würde beispielsweise das Kraftwerk Lippendorf noch genügend Gewinn abwerfen, um bei einer vorgezogenen Stilllegung noch 271 Millionen Euro wert zu sein.

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Doch im realistischeren Szenario eines gemäßigt steigenden CO2-Preises sähe dies anders aus. Dann würde sich der Betrieb der Braunkohlekraftwerke schon ab dem Jahr 2024 nicht mehr rentieren. Der Betreiber müsste mehr CO2-Abgaben zahlen als ihm der Braunkohlestrom einbringt oder ihn am Markt so teuer verkaufen, dass er keine Abnehmer findet. „In diesem Fall liegt der voraussichtliche Nettobarwert der Kraftwerke im Jahr 2030 bei null Euro“, sagt Analyst Michael Claußner. Das aber bedeutet: Die vom Bund veranschlagten Entschädigungen wären nicht gerechtfertigt, weil dem Betreiber durch den Kohleausstieg keine finanziellen Schäden entstehen. Er könnte die Braunkohlekraftwerke schon lange vorher nicht mehr gewinnbringend betreiben. Eine vorgezogene Abschaltung der Blöcke im Rahmen eines schnelleren Kohleausstiegs würde somit für ihren Betreiberkonzern Leag keinen finanziellen Nachteil darstellen, der entschädigt werden müsste.

„Die geplanten staatlichen Entschädigungen für die Leag sind wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen, sondern wurden politisch ausgekungelt“, sagt Sönke Tangermann von Green Planet Energy. „Der Bund muss, wenn er den Klimaschutz ernst nimmt, vom Betreiber angesichts der immer dramatischeren Klimakrise jetzt ein früheres Abschaltdatum einfordern.“

Quelle: Green Planet Energy

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