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CO2-Emissionen steigen weiter

CO2-Emissionen
Gegenüber 2017 sind die globalen CO2-Emnissionen um 2,7 Prozent angestiegen. (Foto: Gudella/ iStock)

Während auf dem Weltklimagipfel in Kattowitz noch diskutiert wird, kommt von Forschern schon die nächste schlechte Nachricht: Die Treibhausgas-Emissionen der Menschheit werden im Jahr 2018 höher denn je sein. Gegenüber dem Vorjahr ist der CO2-Ausstoß um 2,7 Prozent angestiegen – damit zeigt die Emissionskurve wieder steiler nach oben als in den Jahren zuvor, wie Forscher des Global Carbon Project berichten. Hauptursache ist ein weitgehend ungebremstes Wachstum bei fossilen Energieträgern.

Dass der internationale Klimaschutz in den letzten Jahren nur wenig vorangekommen ist, ist keine große Neuigkeit mehr. Schließlich schafft es selbst Deutschland, der einstige Musterschüler in Sachen Energiewende und Klimaschutz nicht, seine im Rahmen des Pariser Klimaabkommens eingereichten Ziele zu erreichen. Das wir dabei nicht die einzigen sind, belegten erst vor wenigen Tagen aktuelle Zahlen der Weltwetterorganisation WMO zu den CO2-Werten in Erdatmosphäre. Nach diesen haben die Treibhausgas-Konzentrationen im Jahr 2017 neue Rekordwerte von 405,5 parts per million (ppm) erreicht. Ein weiterer Statusbericht der WMO dokumentierte, dass auch das Jahr 2018 wieder zu den wärmsten der Geschichte gehören wird: Es ist das viertwärmste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. 20 der letzten 22 Jahre haben damit nun neue Wärmerekorde gebrochen.

Während schon diese Daten ein Weckruf für die Delegierten bei der Klimakonferenz in Kattowitz sein sollten, legt nun das Global Carbon Project mit einer detaillierten Bilanz des globalen Treibhausgas-Ausstoßes im Jahr 2018 nach. Für ihre Studie haben die Forscher Emissionsdaten aller Länder weltweit ausgewertet und dabei auch aufgeschlüsselt, wie viele Emissionen aus welchen fossilen Brennstoffen stammen. Als zusätzlichen Faktor bezogen sie auch den Treibhausgas-Ausstoß durch Landnutzungsänderungen wie Waldrodungen und Landwirtschaft mit ein.

2,7 Prozent Anstieg der Emissionen gegenüber 2017

Die Auswertungen ergaben: Nachdem die CO2-Emissionen von 2014 bis 2016 nahezu stagnierten, sind sie 2017 um 1,6 Prozent gestiegen und 2018 werden sie sogar um 2,7 Prozent anwachsen. Damit zeichnet sich ein beschleunigtes Wachstum des Treibhausgas-Ausstoßes ab. „Wir hatten gehofft, dass die Emissionen vor ein paar Jahren schon ihren Höhepunkt erreicht haben“, sagt Rob Jackson von der Stanford University. „Aber nach zwei Jahren des neuerlichen Wachstums war das wohl Wunschdenken.“ Insgesamt werden allein die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen im Jahr 2018 den neuen Rekordwert von 37,1 Milliarden Tonnen erreichen. Mit den Emissionen aus nicht-fossilen Quellen wie der Entwaldung und anderen Änderungen der Landnutzung kommen noch einmal 4,5 Milliarden Tonnen hinzu, wie die Forscher ermittelten.

Zu den größten Emittenten von Treibhausgasen gehören im Jahr 2018 China, die USA, Indien, Russland, Japan, Deutschland, Iran, Saudi-Arabien, Südkorea und Kanada. Dabei ist China allein für 27 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Mit einer Steigerung um 4,7 Prozent gegenüber 2017 hat der Ausstoß aus fossilen Brennstoffen in China einen neuen Höchstwert erreicht. Ebenfalls relativ starke Anstiege gab es in Indien mit 6,3 Prozent und den USA mit 2,5 Prozent mehr gegenüber 2017. Für die EU ermittelten die Forscher zwar einen leichten Rückgang des CO2-Ausstoßes um minus 0,7 Prozent, damit aber hat sich die Minderungsrate gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert.

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Energiehunger: Noch dominieren die fossilen Brennstoffe

Als Hauptursache für den Anstieg der CO2-Emissionen identifizieren die Wissenschaftler den steigenden Energiehunger der Weltbevölkerung und die Tatsache, dass dieser Bedarf noch immer vornehmlich mit fossilen Brennstoffen gedeckt wird. So hat die Nutzung der Kohle als Energieträger in diesem Jahr weiter zugenommen, auch die Erdgasnutzung wächst nahezu ungebremst, wie die Forscher berichten. Länder wie China, die einige ihrer Ausbaupläne für neue Kohlekraftwerke zwischenzeitlich auf Eis gelegt hatten, nutzen wieder vermehrt Kohle. „China hat diese Kohleprojekte wieder neu angeschoben“, sagt Jackson. In den meisten Regionen steigt auch der Verbrauch von Erdöl und Erdölprodukten – vor allem durch den zunehmenden Verkehr auf Straßen und in der Luft. So hat sich die Zahl der Fahrzeuge seit 2010 global um vier Prozent erhöht, etwa im gleichen Zeitraum stieg der Kraftstoffverbrauch der kommerziellen Luftfahrt um 27 Prozent, wie die Forscher berichten.

„Der globale Energiebedarf hängt das starke Wachstum bei erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ab“, erklärt Jackson. „Es reicht nicht aus, dass die Erneuerbaren zunehmen, sie müssen die fossilen Brennstoffe ablösen.“ Das allerdings passiert momentan nur in wenigen Ländern. So nehmen die erneuerbaren Energien in China zwar pro Jahr um 25 Prozent zu, das aber reicht nicht aus, um mit dem wachsenden Energiebedarf der chinesischen Wirtschaft Schritt zu halten. In der EU ist dank der erneuerbaren Energien zwar die Kohle- und Gasnutzung leicht zurückgegangen. Ein deutlicher Anstieg im Erdölverbrauch vor allem für den Verkehr konterkariert dies jedoch fast vollständig.

„Es ist kristallklar, dass die Welt bisher nicht auf einem Kurs ist, um die Ziele des Pariser Abkommen von 2015 einzuhalten“, sagt Glen Peters vom CICERO Zentrum für internationale Klimaforschung in Oslo. Denn um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten die CO3-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent reduziert werden und bis 2050 auf einen Nettoausstoß von Null sinken.

Quellen: Rob Jackson (Stanford University) et al., Environmental Research Letters, doi: 10.1088/1748-9326/af303; Corinne Le Quéré (University of East Anglia, Norwich) et al., Earth System Science Data, doi: 10.5194/essd-10-1-2018

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