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Serie: Hervorragend - Junge Menschen und ihr Engagement

Das Vorbild

Foto_ privat

In seiner Jugend in Sambia hat Brighton Kaoma am eigenen Leib erfahren, was Klimawandel und Umweltzerstörung bedeuten. Doch anstatt zu resignieren, ging er zum Radio und begann zu erklären und anzuklagen. Er gab seiner Generation eine Stimme – und arbeitet an ihrer Zukunft

Es war die raue Umgebung, in der Brighton Kaoma aufwuchs, die ihn zu seinem Engagement für die Natur brachte: Seine Heimatstadt Kitwe liegt im sambischen Teil des sogenannten Kupfergürtels, der sich über das nördliche Sambia und die angrenzende Demokratische Republik Kongo erstreckt und das bedeutendste Kupferabbaugebiet Afrikas ist.
Tag für Tag pustete die Mine in Kitwe hochgiftiges Schwefeldioxid in die Luft. Kaoma litt an Atemwegsbeschwerden, Flüsse und Böden wurden verseucht. Auch mit Dürren und starken Überschwemmungen kämpften die Bewohner der Stadt. „Einmal, als ich zur Schule aufbrach, hatten die Wassermassen des Flusses die Brücke mitgerissen“, erinnert sich Kaoma. Ihm blieb nichts anderes übrig, als nach Hause zurückzukehren. Für Wochen verpasste er den Unterricht

Umweltkunde übers Radio

Mit 14 Jahren hatte Kaoma genug. Er bat den lokalen Radiosender um Sendezeit. „Die Menschen sollten den Zusammenhang zwischen ihrem Husten und der Luftverschmutzung verstehen und erkennen, dass die Trockenheit und die starken Regenfälle Folgen des Klimawandels sind.“ Radio war dabei das beste Mittel. Wie in vielen Ländern Afrikas ist es auch in Sambia das wichtigste Medium, da es günstig zu produzieren und zu empfangen ist. „Die Menschen hören Radio, wenn sie auf dem Feld arbeiten. Sie informieren sich über anstehende Wahlen, hören zusammen Musik.“
Jeden Montagabend lief fortan Environmental Watch. Über zwei Millionen Menschen schalteten ein, wenn Kaoma erklärte, welches Getreide auch in trockenen Böden überlebt. Sie hörten zu, wenn er Wissenschaftler interviewte und Politiker oder Vertreter der Kupfermine mit ihren Versäumnissen konfrontierte. „Natürlich waren die nicht begeistert, aber als junger Mensch hatte ich nichts zu verlieren“, sagt der 26-Jährige. Er moderiert die Sendung nicht mehr, doch es gibt sie bis heute.
Mit 16 Jahren wurde Kaoma Jugendklimabotschafter für Unicef und trainierte über 1000 andere Kinder in Sambia darin, sich für den Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren. Um der zukünftigen Generation eine Stimme zu geben, gründete er während seines Bachelorstudiums mit Freunden die Organisation Agents of Change. Sie ermöglicht Mädchen und Jungen im ganzen Land, Grundkenntnisse der Radioberichterstattung zu erlernen, vernetzt sie mit Sendern und motiviert sie, über die Themen zu sprechen, die ihnen wichtig sind, wie die hohe HIV-Rate, Frauenrechte oder die starke Abholzung der sambischen Wälder.

Wohlstand durch Nachhaltigkeit

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2019 zog Kaoma für seinen Master in Umweltwissenschaften und Politik an der Columbia Universität nach New York. Er schloss sein Studium im Mai dieses Jahres ab. In den nächsten Monaten wird er anfangen, für WWF zu arbeiten und den Regionaldirektor für Afrika beraten. „Ich möchte außerdem versuchen, Arbeitsplätze im Bereich Nachhaltigkeit zu schaffen“, sagte Kaoma, der zwei Start-ups in seiner Heimat gegründet hat. Eines setzt sich für die Einführung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Sambia ein. Das zweite konzentriert sich auf klimaneutrales Bauen von Wohnhäusern.
Für sein Engagement bekam Kaoma viel Anerkennung. Die Queen zeichnete ihn aus, er traf Barack Obama. Darauf ist Kaoma stolz. Doch mehr freut es ihn, wenn er anderen jungen Menschen in Afrika ein Vorbild sein kann. „Ich hoffe, ich kann ihnen helfen zu erkennen, welche wichtige Rolle sie spielen“, sagt Kaoma. Dafür müsse man nicht in einem Umfeld wie er aufwachsen. Junge Menschen könnten mit ihrem Protest, ihren Fragen, ihren Ideen dafür kämpfen, dass sich Erwachsene in Unternehmen, Institutionen und Regierungen um das kümmern, was wir alle teilen – den Planeten. „Und wenn sie uns nicht zuhören, sollten wir wie Löwen brüllen. Denn es ist unsere Zukunft, die auf dem Spiel steht!“

Der Beitrag stammt aus der Ausgabe 7/2020 von natur, die Sie hier bestellen können. In Zukunft stellen wir in jeder natur-Ausgabe und auf unserer Website junge Menschen vor, die sich aktiv für Natur, Umwelt und Klima engagieren. Vorschläge gern an redaktion-natur@konradin.de.

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Mer|ca|tor|pro|jek|ti|on  auch:  Mer|ca|tor–Pro|jek|ti|on  〈f. 20; Geogr.〉 winkeltreue zylindrische Kartenprojektion ... mehr

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